Sexuelle Funktionsstörungen

 

1. Was versteht man unter sexuellen Funktionsstörungen?

Von sexuellen Funktionsstörungen bzw. von einer sexuellen Dysfunktion wird gesprochen, wenn über einen längeren Zeitraum individuelle Ansprüche an eine erfüllte Sexualität nicht erreichbar sind – aufgrund nicht funktionierende sexueller Funktionen und Reaktionen. Diese Definition berücksichtigt sowohl die Störung der Sexualreaktion (körperliche Reaktion) als auch das subjektive Erleben, gesellschaftliche und kulturelle Aspekte von Sexualität.

Behandlungsbedürftige sexuelle Störungen finden sich in der Welt bei ca. 15%. Bei Frauen handelt es sich oft um ein vermindertes sexuelles Verlangen und Orgasmusstörungen, bei Männern um Erektionsstörungen und vorzeitige Ejakulation.

 

2. Primäre und sekundäre sexuellen Störungen

Generell wird zischen primären (lebenslang bestehenden), sekundären (erworbenen),  stets vorhanden und situativen (nur in bestimmten Situationen auftretenden) sexuellen Störungen bzw. Dysfunktionen unterschieden.

2.1) Psychische und physische Ursachen als Auslöser

In vielen Fällen sind sexuelle Funktionsstörungen nicht rein körperlich bedingt, sondern werden auch durch psychische und physische Ursachen sind ausgelöst. Oft sind die psychologische Faktoren entscheiden beteiligt (z.B. Partnerschaftskonflikte, Beziehungsprobleme, Traumatisierung, beruflicher Stress etc.). Hierzu gehören vor allem folgende Störungsgruppen:

  • Funktion: Störungen der sexuellen Funktion

  • Entwicklung: Störungen der sexuellen Entwicklung

  • Identität: Störungen der geschlechtlichen Identität

  • Präferenz: Störungen der sexuellen Präferenz (Paraphilien)

  • Verhalten: Störungen des sexuellen Verhaltens (Dissexualität)

  • Reproduktion: Störungen der sexuellen Reproduktion

2.2) Körperliche Faktoren

Körperliche Faktoren, die eine sexuelle Funktionsstörung auslösen können sind:

  • Medikamente wie Blutdrucksenker, Beruhigungsmittel, Neuroleptika, Antibabypillen oder Antidepressiva können das sexuelle Verlangen negativ beeinträchtigen und Lustlosigkeit auslösen.
  • Stoffwechselkrankheiten (z.B. Diabetes , Hormonmangel oder Depressionen)
  • Niereninsuffizienz und Herzkrankheiten
  • Hormonelle Faktoren (z. B. Oströgenmangel, im Rahmen der Wechseljahre)
  • Scheideninfektionen (z.B. bakterielle Vaginose, Scheidenpilz, Scheidenentzündung sowie -trockenheit)
  • allergische Reaktionen auf intravaginale Verhütungsmittel (Cremes, Zäpfchen, Kondome, Diaphragmen)
  • Geschwülste und Zysten im Genitaltrakt (z. B. Eierstockzysten, Myome)
  • Operationen im Genitaltrakt
  • Blasenentzüng und Darmerkrankungen

3. Klassifikationen sexueller Störungen nach ICD-10

3.1) Sexuelle Funktionsstörungen

3.2) Störungen der Geschlechtsidentität

Unzufriedenheit mit dem eigenen Geschlecht und anhaltender Wunsch, die Rolle des anderen Geschlechts teilweise oder vollständig zu übernehmen

3.3) Störungen der Sexualpräferenz

  • Fetischismus: Gebrauch gegenständlicher Objekte als Stimuli für die sexuelle Erregung und zur sexuellen Befriedigung

  • Fetischistischer Transvestismus: Tragen der Kleidung des anderen Geschlechts zur sexuellen Erregung

  • Exhibitionismus: Neigung, das Genital vor Fremden in der Öffentlichkeit zu entblößen

  • Voyeurismus: Drang, anderen Menschen heimlich bei sexuellen Aktivitäten oder beim Entkleiden zuzusehen, um sich sexuell zu erregen und zu befriedigen.

  • Pädophilie: Sexuelle Präferenz für Kinder in der Vorpubertät oder frühen Pubertät

  • Sadomasochismus: Zufügen oder Erleiden von Schmerzen, Erniedrigung oder Fesseln zum Zweck sexueller Erregung

 

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Quellen:
Senf, Wolfgang  & Broda, Michael (2013):Psychotherapie im Dialog - Sexuelle Störungen. Thieme Verlag
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