Experten-Interview mit Prof. Dr. med. Ingrid Gerhard

Vorteile einer Scheidendusche

Die Scheidendusche als medizinisch wertvolle Unterstützung: Prof. Dr. med. Ingrid Gerhard räumt mit alten Vorurteilen gegenüber der Vaginaldusche auf und erklärt worauf frau bei der Anwendung achten sollte. 

 

Interview mit der gynäkologischen Expertin Frau Prof. Dr. med. Ingrid Gerhard:

Sehr geehrte Frau Prof. Gerhard, unter den Begriffen Scheide und Dusche kann sich vermutlich jeder was vorstellen. Wenn man beide aber zu „Scheidendusche“ kombiniert nicht mehr unbedingt. Was genau ist denn eine Scheidendusche?

Frau Prof. Gerhard: Die Scheidendusche besteht aus einer Plastikflasche und einem flexiblen Applikator. Der Applikator wird in die Scheide eingeführt. Die Flasche kann man mit einer Hand zusammendrücken, sodass durch den Applikator die Spülflüssigkeit in die Scheide läuft.

 

Erfüllt ein Duschkopf den Zweck der Scheidendusche nicht genauso?

Frau Prof. Gerhard: Nein, denn zum einen ist der Duschkopf viel zu hart und unflexibel, so dass es zu Verletzungen kommen kann. Außerdem kann man damit nicht die Gegend seitlich vom Muttermund erreichen, wo sich gerne besonders viel Sekret absetzt. Zum anderen kann der Druck nicht so vorsichtig reguliert werden, dass zwar genug gespült wird, aber die Flüssigkeit nicht durch den Muttermund gepresst wird.

 

Wann kann eine Scheidendusche angewendet werden?

Frau Prof. Gerhard: Sie kann sowohl nach der Periode angewendet werden als auch nach dem Geschlechtsverkehr. Oder einfach nur zwischendurch, wenn unangenehmer Geruch oder zu viel Ausfluss bestehen

 

Die Scheidendusche ist in den letzten Jahren in unserem Kulturkreis in Verruf geraten. Warum?

Frau Prof. Gerhard: Bei uns wurde die Scheidendusche überwiegend von Frauen aus niedrigeren sozialen Schichten benutzt, die ungewollte Schwangerschaften verhindern wollten. Das waren häufig aber auch gleichzeitig Frauen, die wegen ihrer sexuellen Gewohnheiten vermehrt Infektionen der Gebärmutter und der Eileiter bekamen. Man nahm an, dass durch die Scheidenduschen die Vaginalflora zerstört würde, so dass krankhafte Bakterien und Pilze sich leichter ausbreiten konnten. Diese Frauen benutzten als Spülflüssigkeit häufig Seife und Antiseptika und wendeten hohen Druck an. Wenn eine Schwangerschaft eingetreten war, bekamen sie häufig Eileiterschwangerschaften und Frühgeburten. Inzwischen gibt es aber vergleichende Untersuchungen aus Holland von muslimischen Frauen, bei denen die Scheidendusche zur täglichen Hygienemaßnahme gehört und holländischen Frauen, die keine Scheidenduschen verwenden, die zeigen, dass durch moderne Scheidenduschen und die richtige Anwendung keine Risiken bestehen.

 

Auf was sollte man bei der Anwendung der Scheidendusche achten?

Frau Prof. Gerhard: Der Applikator sollte vorsichtig in die Scheide eingeführt werden, so dass anschließend die Spülflüssigkeit auch gut wieder ablaufen kann. Die Flasche soll nur einmal zusammengedrückt werden. Es sollte eine Lösung hergestellt werden, die schleimhautfreundlich ist, was durch spezielle Brausetabletten ermöglicht wird.

Sehen Sie hier in einem Video weitere Informationen zum Thema Scheidendusche/Vaginalspülung mit Prof. Dr. med. Ingrid Gerhard.

 

Links, die Sie interessieren könnten:

 
Diese Website nutzt Cookies sowie den Facebook-Pixel, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Auch kann mit Hilfe von Cookies nachvollzogen werden, wie unsere Marketingmaßnahmen auf Plattformen wie Facebook verbessert werden können. Informationen zum Facebook-Pixel, zu Cookies und dem Ihnen zustehenden Widerspruchsrecht erhalten Sie in unserem Impressum. Durch die weitere Nutzung dieser Seite erklären Sie sich damit einverstanden.