Infovideo "Schmerzen bei vaginaler Penetration"

mit Diplom-Psychologin Anna-Carlotta Zarski

Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder beim Einführen von Tampons beispielsweise sind für betroffene Frauen sehr unangenehm. Neben anatomischen Problemen, können hier auch Ängste sowie seelische oder psychische Ursachen ausschlaggebend dafür sein. Doch es gibt Wege dies aktiv anzugehen und zu einem schmerzfreien Leben und Wohlgefühl im eigenen Intimbereich zu gelangen. Diplom-Psychologin Anna-Carlotta Zarski erklärt in folgendem Gespräch, worauf es ankommt und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

 

 

Hier finden Sie das Interview in Textform:

Multi-Gyn:

Liebe Frau Zarski, wir werden häufig von Frauen, die aufgrund einer körperlichen Ursache im Zusammenhang mit Scheidentrockenheit über vaginale Schmerzen klagen kontaktiert. Sie beschäftigen sich im Rahmen des Paivinacare-Projekts mit den vaginalen Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder anderen Penetrationen, wie zum Beispiel Einführung eines Tampons. Was bietet ihr online Selbsthilfeprogramm den betroffenen Frauen?

 

Diplom-Psychologin Anna-Carlotta Zarski:

Paivinacare ist ein onlinebasiertes Selbsthilfetraining für Frauen mit genito-pelviner Schmerz-Penetrations-Störung, die aufgrund von Schwierigkeiten, Schmerzen, Ängsten, Verkrampfung und Anspannung keinen Geschlechtsverkehr mehr haben können. Das Training selbst besteht aus 8 Modulen mit 7 Kernmodulen und einer Auffrischungslektion vier Wochen nach Abschluss des Trainings. Die letzte Lektion soll den betroffenen Frauen mit Tipps und Strategien zum Umgang mit Ängsten, also negativen Gedanken und Gefühlen in Bezug auf vaginales Einführen helfen. Unser strukturiertes Programm kombiniert das Vaginaltraining mithilfe von Dilatoren mit Entspannungsübungen. Die Sensate-Focus-Partner Übungen lassen die Intimität zum Partner und gemeinsame sensuelle Erfahrungen in den Vordergrund rücken ohne Druck zum Geschlechtsverkehr aufzubauen. Außerdem sind Umgang und Fertigkeiten in Bezug auf Bewältigung von vaginalen Schmerzen sehr wichtig.

 

Multi-Gyn:

Welche Übungen oder auch Therapieansätze erwarten die Frau bei Paivinacare?

 

Diplom-Psychologin Anna-Carlotta Zarski:

Das Programm beginnt mit einer ausführlichen Aufklärung über das Beschwerdebild, d.h. Was genau ist überhaupt die genito-pelvine Schmerz-Penetrations-Störung? Und wie viele Frauen sind von derartigen Schwierigkeiten betroffen? Schon die Antworten stellen oftmals eine große Entlastung für die Frauen dar, weil ihnen klar wird, dass sie nicht die einzigen sind, die Schwierigkeiten und Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs haben, sondern, dass auch viele andere Frauen an dieser häufigen Störung. Danach wird gemeinsam ein individuelles Entstehungs- und Aufrechterhaltungsmodell, das die Ursache der Schmerzen und besonders den Grund für die Aufrechterhaltung dieser Schmerzen klären soll, erarbeitet. Faktoren, bei denen während der Behandlung besonders gut angesetzt werden kann, sind Gedanken, Gefühle und Verhalten. Das Programm vermittelt den Umgang mit negativen Gedanken und Gefühlen auf körperlicher Ebene mit Entspannungsübungen wie der progressiven Muskelrelaxation, die mit gezielter An- und Entspannung einen gesamtheitlichen Entspannungszustand des Körpers herstellen soll. Diese Übung wird später auch mit vaginalen Einführungsübungen mithilfe von Dilatoren kombiniert, um ein entspanntes Einführen zur Schmerzbewältigung zu ermöglichen. Es werden außerdem Strategien und Fertigkeiten im Umgang mit Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs gezeigt, die auch den Partner einbinden. Wie zum Beispiel die Sensate-Focus-Partner-Übungen, bei denen nicht das vaginale Einführen, sondern die gegenseitige sensuelle Erfahrung mit dem Körper, d. h. das gegenseitige Berühren und Streicheln, im Vordergrund steht, wobei beim gegenseitigen Entdecken kein Druck zum Geschlechtsverkehr aufkommt.

 

Multi-Gyn:

Es hört sich gut an, wenn Sie sagen, dass dieser Zeitraum individuell mitbestimmt werden darf, denn die Frau muss erst einmal zu sich finden und sich entspannen bevor sie in den Bereich der Einführung gehen kann.

Welche Frauen könnten dieses Programm nutzen und gibt es eine Altersbeschränkung?

 

Diplom-Psychologin Anna-Carlotta Zarski:

Alle Frauen, die an dem Programm teilnehmen wollen, müssen mindestens 18 Jahre alt sein (eine Altersgrenze nach oben gibt es nicht) und seit mindestens 6 Monaten aufgrund von Ängsten, Schwierigkeiten, Schmerzen, Verkrampfungen und Anspannung keinen Geschlechtsverkehr mehr haben können. Paivinacare empfiehlt eine gynäkologische Abklärung, damit aktuelle medizinische und Krankheitsfaktoren, wie eine Blasenentzündung oder Pilzinfektionen, ausgeschlossen werden können.

 

Multi-Gyn:

Welche Beschwerden werden von den Frauen häufig geäußert?

 

Diplom-Psychologin Anna-Carlotta Zarski:

Frauen mit einer genito-pelvinen Schmerz-Penetrations-Störung leiden häufig unter Schwierigkeiten mit der vaginalen Penetration, die beim Einführen von Tampons, gynäkologischen Eingriffen und der meist größten Belastung, dem Geschlechtsverkehr, auftreten können. Diese Schwierigkeiten werden oft begleitet von Ängsten, wie der Angst vor Schmerzen oder der Angst vor der Penetration, die meist durch schlechte Erfahrungen beim Gynäkologen oder Geschlechtsverkehr geweckt wurden. Neben Ängsten begleiten auch Anspannungen und Verkrampfungen zum Beispiel im Beckenboden die Schwierigkeiten.

 

Multi-Gyn:

Wie können betroffene Frauen mit Ihnen in Kontakt treten?

 

Diplom-Psychologin Anna-Carlotta Zarski:

Betroffene Frauen können sich über unsere Webseite: www.paivina-care.info  informieren und auch gerne zu einer Teilnahme anmelden.

 

 

Multi-Gyn:

In welchem Zeitraum können diese Frauen eine Beschwerdefreiheit erreichen?

 

Diplom-Psychologin Anna-Carlotta Zarski:

Das Trainingsprogramm ist auf 8 Wochen ausgerichtet, kann aber durch die Betreuerin, die die Frau durch die Therapie begleitet und nach jedem absolvierten Modul inhaltliche Rückmeldung gibt zeitlich individuell angepasst werden. Ziel des Trainings ist einerseits Schritt für Schritt Bewältigungsstrategien im Umgang mit Schmerzen und Schwierigkeiten beim vaginalen Einführen zu vermitteln und die Schmerzlinderung, andererseits soll das Trainingsprogramm aber auch die sensuellen Erfahrungen im Hinblick auf die eigene Sexualität fördern und die Körperzufriedenheit so wie die Intimität unter den Partnern stärken und in den Fokus zu rücken.

 

Multi-Gyn:

Mit was für einem Zeitaufwand müssen die Frauen, die teilnehmen wollen rechnen?

 

Diplom-Psychologin Anna-Carlotta Zarski:

Optimal wäre es natürlich die Übungen jeden Tag durchzuführen, aber es reicht auch drei-  bis fünfmal die Woche. Für die Übungen sollten die Frauen sich eine halbe bis ganze Stunde zeitnehmen, um ruhig mit den Entspannungsübungen zu beginnen und danach mit dem Vaginaltraining anzufangen.

 

Multi-Gyn:

Grundsätzlich ist das Training Zeit für die Frau selbst, aber bei bestimmten Übungen wird auch der Partner miteinbezogen, was für Partnerschaften die unter diesem Thema leiden sehr wichtig sein kann.

Wie können Sie den betroffenen Frauen Mut machen, diese Hemmschwelle zu überwinden und sich Hilfe zu holen, indem sie sich für eine Teilnahme bei einer Therapie von Paivinacare entscheiden?

 

Diplom-Psychologin Anna-Carlotta Zarski:

Das Paivinacare-Training möchte den Frauen besonders Tipps und Fertigkeiten an die Hand geben, um sie auf dem Weg der Bewältigung von Schmerzen und Schwierigkeiten beim Geschlechtsverkehr bestmöglichst zu unterstützen und auch die Zufriedenheit der eigenen Sexualität zu fördern. Hierbei ist Paivinacare wichtig, dass jeder kleine Schritt zählt und auch jeder Erfolg entsprechend gewürdigt wird. Das Training kann unabhängig von Zeit oder Wohnort ganz flexibel, individuell und vor allem anonym zu Hause absolviert werden. Das ist für viele Frauen besonders wichtig, da das doch eine große Hemmschwelle darstellt.

 

Multi-Gyn:

Danke für die Zeit und weiterhin viel Erfolg mit Ihrem Projekt.

 

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