Infovideo: Trockene Scheide / Scheidentrockenheit

Im diesem Gespräch mit Frau Dr. med. Maren Fiebig-Lohmer finden Sie Antworten auf allgemeine Fragen zur Indikation "Scheidentrockenheit / trockene Scheide". Ergänzend empfehlen wir den Artikel zu Ursachen und Symptomen der Scheidentrockenheit.

Auch erhalten Sie Tipps und Informationen zu Therapieansätzen und vorbeugenden Maßnahmen.

Gespräch mit Dr. med. Maren Fiebig-Lohmer:

Hier finden Sie das Interview in Textform:

Multi-Gyn:

Liebe Frau Dr. Fiebig-Lohmer,

ich möchte heute mit Ihnen über Scheidentrockenheit sprechen. Also über das Problem der „zu“ trockenen Scheide, unter dem ja Frauen jeden Alters leiden können. Was versteht man genau unter Scheidentrockenheit?

Frau Dr. Fiebig-Lohmer:

Ich glaube man muss damit anfangen, dass Scheidentrockenheit dann vorliegt, wenn die Frau das empfindet. Wenn sich was anders anfühlt und zwar im Sinne von zu trocken. Sie kann das immer bemerken, oder fast immer oder nur bei der Sexualität. Also dann, wenn die ausreichende Befeuchtung nicht erfolgt und sie sich deswegen zu trocken fühlt.

Multi-Gyn: Welche Symptome haben betroffene Frauen?

Frau Dr. Fiebig-Lohmer:

Das sind ganz viele. Das kann wirklich bei einem leichten Unwohlgefühl losgehen, bis hin zu Schmerzen, brennenden Schmerzen, stechende Schmerzen, Rissen, Entzündungen. Also da gibt es ganz, ganz viel, was auch in Folge passieren kann. Und beim Sex ist es so, dass es dann eben beim Eindringen wehtut. Vielleicht auch die ganze Zeit wehtut. Vielleicht danach auch Risse da sind.

Multi-Gyn: Also auch kleine Verletzungen.

Frau Dr. Fiebig-Lohmer:

Genau. Und die Frau dann eben auch keine Lust hat. Keinen Spaß. Also es gibt wirklich viele Dinge. Ich denke wichtig ist, dass die Frauen das merken und das es dann gut ist, wenn sie kommen und fragen.

Multi-Gyn: Welche Ursachen hat die Scheidentrockenheit?

Frau Dr. Fiebig-Lohmer:

Das ist wie mit den Symptomen. Ganz viele. Das ist wirklich nicht so ein Bakterium und dann ist es das, sondern es gibt eben ganz viele Dinge, die mit reinspielen. Ein wichtige Ursache ist erstmal die hormonell bedingte Scheidentrockenheit. Weil die Feuchtigkeit der Scheidenschleimhaut im Alltag von Hormonen bestimmt wird.

Sodass alle Veränderungen dort zu einer Veränderung die die Frau spürt führen können. Sie muss sie aber nicht spüren. Ich sehe manchmal trockene Scheiden und die Frauen haben keine Beschwerden. Manchmal haben sie Beschwerden und die Scheide ist gar nicht so trocken.

Wenn man jetzt an die hormonellen Sachen denkt, dann sind die Wechseljahre am bekanntesten. Da rechnet fast jede Frau damit. Da gibt es auch Zahlen dazu. (Jede zweite Frau hat Trockenheit.) Ist zum Glück nicht ganz so schlimm.

Dann können Frauen unter Scheidentrockenheit leiden die die Pille einnehmen. Weil die Hormoneinstellungen der Pille nicht so gut zu der Frau passen. Dann macht es Sinn da was zu ändern. Ganz häufig sind auch Frauen nach dem Stillen betroffen, weil hier auch einfach eine andere hormonelle Situation vorliegt.

Und auch junge Frauen, bei denen die Periode ausbleibt, können schon eine trockene Scheide haben, müssen aber nicht. Dann gibt es natürlich Scheidentrockenheit nach medizinischen Eingriffen, nach einer Strahlenbehandlung wegen Krebs, nach einer Operation wegen Krebs, die ja meistens größer ausfallen.

Nach einer Eierstockentfernung, wobei das dann wieder die Hormone sind, die dann im Endeffekt die Scheidentrockenheit hervorrufen. Nach Chemotherapien ist es so, dass die Schleimhäute anders sind. Dann macht auch die Körperpflege was aus. Zum Beispiel wenn ich einen Tampon zu lange drin lasse. Wenn ich für jeden Tropfen Blut einen Tampon verwende, der dann fast nicht rausgeht, weil er in der Scheide festklebt. Ich trockne die Scheide damit künstlich aus.

Und dann natürlich aus Stress. Der kann dazu führen, dass die Haut trocken wird, dass die Schleimhaut insbesondere beim Sex trocken ist. Schlechte sexuelle Erfahrungen. „Falsches“ sexuelles Verhalten. Wenn das Vorspiel fehlt, die Frau nicht genügend Lust hat. Das führt auch zu Trockenheit.

Multi-Gyn: Gibt es eigentlich körperliche oder psychische Folgebeschwerden der Scheidentrockenheit?

Frau Dr. Fiebig-Lohmer:

Körperlich bekommt man durch eine trockene Scheide erst einmal leichter Entzündungen. Das Gewebe ist sozusagen wie die Haut. Die reißt auch leichter. Da kann es dann einfach immer mehr Schmerzen machen. Und wenn ich Schmerzen habe, habe ich immer weniger Lust. Das ist ja nur vernünftig, weil ich mir ja schließlich keine Schmerzen zufügen will. Was macht das dann in der Partnerschaft? Wie fühle ich mich als Frau, wenn es „nicht normal“ ist bei mir? Traue ich mich dann überhaupt noch? Also da gibt es viele Auswirkungen.

Multi-Gyn: Welche und wie viele Frauen sind denn von Scheidentrockenheit betroffen?

Frau Dr. Fiebig-Lohmer:

Wohl viel mehr als jede Frau die betroffen ist denkt und ich hoffe nicht ganz so viele, wie in der Literatur steht. Was auch zu dem passt, was ich in meiner Praxis sehe. Ich sehe viele Frauen in den Wechseljahren die keine trockene Scheide haben. Ich sehe junge Frauen mit Pille die von Scheidentrockenheit betroffen sind. Aber jetzt auch nicht eine von zehn, sicher seltener. Dann schon eher Frauen nach großen Operationen. Da schon wirklich viele. Und Frauen, die gestillt haben.

Multi-Gyn: Was kann ich gegen Scheidentrockenheit tun?

Frau Dr. Fiebig-Lohmer:

Was kann ich tun? Wenn ich weiß warum sie aufgetreten ist, gehe ich an die Stelle und ändere dort was. Wenn es mir möglich ist. Also angenommen es ist die Pille oder eine besondere Verhütung. Stellen Sie sich mal eine Frau vor, die Kondome nicht verträgt und deswegen Probleme bekommen hat. Das kann ich ja verändern. Wenn ich das Problem in den Wechseljahren habe könnte man lokal Hormone anwenden.

Die Tampons kann ich seltener anwenden und auch mal eine Slipeinlage nehmen.

Dann gibt es heute zum Glück, weil das Thema nicht mehr totgeschwiegen wird, viele Produkte die jetzt nicht gleich Hormone sind, die ich anwenden kann. Zum Beispiel Scheidencremes oder Scheidengele die befeuchten, bis hin zum Gleitgel. Da gibt es auch eine wunderbare Breite an Produkten.

Wichtig ist mir dabei, dass man sich traut auszuprobieren, was zu einem passt. Das man schaut, dass möglichst wenig schädliche Stoffe enthalten sind. Also das man genau weiß, was drinnen ist. Für junge Frauen ist es wichtig, dass es kondomgeeignet ist.

Es gibt Cremes auf Ölbasis die Kondome angreifen, sodass der Schutz nicht mehr gegeben ist. Sowohl vor Infektionen als auch vor einer Schwangerschaft. Also am Meisten nimmt man dann schon die wasserbasierten und fragt den Frauenarzt am besten mit was er gute Erfahrung hat.

Multi-Gyn: Wie ich vorbeugen kann haben wir jetzt eigentlich schon gesagt. Ich muss mit Tampons aufpassen, ich muss die richtige Intimhygiene beachten. Gibt es sonst noch irgendwas was ich tun kann?

Frau Dr. Fiebig-Lohmer:

Naja, wir hatten da ja noch das Thema Sexualität. Wenn die falsch abläuft - da ist es wichtig zum einen mit dem Arzt zu sprechen und zu sagen was es ist oder woran es vielleicht hängt. Oder mich bei der Freundin erkundigen und frage wie machst du das? Und das man dann seinen Partner anspricht und neue Dinge ausprobiert und schaut, wie es anders geht. Mir ist es wirklich wichtig, dass man raus aus den Schmerzen kommt. Denn wenn ich lange Schmerzen beim Sex habe, dann muss meine Seele sagen: „Ich will den nicht.“

Multi-Gyn: Gibt es, wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, einmal den Teil der Frauen die z. B. hormonell bedingt einfach wirklich weniger Feuchtigkeit haben und dann den Teil der Frauen, die einfach trocken sind, weil sie nicht wirklich Lust auf Sex haben?

Frau Dr. Fiebig-Lohmer:

Genau. Und dann muss sich mein Partner so weit anstrengen bis ich feucht bin. Sodass das Sinn macht. Oder ich sage Nein.

Multi-Gyn: Dann sind wir jetzt schon am Ende angekommen. Eine letzte Frage fällt mir aber gerade noch ein. Wie sprechen Sie mit Ihren Patientinnen oder was raten Sie Ihren Patientinnen mit dem Thema Scheidentrockenheit am besten umzugehen. Z. B. innerhalb der Partnerschaft?

Frau Dr. Fiebig-Lohmer:

Also in der Partnerschaft ist es wichtig es anzusprechen. Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass man sich scheut, wenn man nicht weiß, ob man selber schuld ist oder der Partner schuld ist, weil er zu wenig macht. Das ist natürlich nicht so ganz leicht. Da ist es vielleicht gut sich erst einmal zu informieren und möglichst halt mit dem Frauenarzt zu sprechen, weil der ja der Facharzt oder die Fachärztin dafür ist. Wenn das nicht geht können es Selbsthilfegruppen sein. Frauengesundheitszentren. Also da gibt es viele Möglichkeiten sich Unterstützung zu holen. Auf vielen Websites kann man was lesen. Da gibt es wirklich viele gute Sachen heute.

(Der exakte Wortlauf kann ggf. leicht vom Video abweichen)

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