Infovideo: "Weibliche Sexualität"

Die weibliche Lust, Selbstbefriedigung sowie Sex während Menstruation oder Schwangerschaft sind u.a. Themen dieses ärztlichen Infovideos.

Ein Gespräch mit Dr. med. Anja Engelsing:

 

Hier das Interview „Sexualität der Frau“ in Textform

Multi-Gyn:

Liebe Frau Dr. Engelsing,

Sex in der Schwangerschaft, während der Menstruation, nach der Menopause, Selbstbefriedigung. Das sind unter anderen Themen, die man im Allgemeinen nicht so gerne offen bespricht und über die sich zum Teil auch abenteuerliche Vermutungen halten. Fangen wir doch gleich einmal mit dem Sex während der Menstruation an. Ist der für die Frau in irgendeiner Form gesundheitsgefährdend?

Frau Dr. Engelsing:

Nein. Das ist leicht beantwortet. Er ist nicht gesundheitsgefährdend, wenn die Frau wirklich nur das tut, wonach ihr ist. Das heißt wenn sie Schmerzen hat. Wenn sie sich unwohl fühlt. Wenn sie sehr mit sich selbst beschäftigt ist und sich eigentlich grad gar nicht öffnen mag. Oder gar nicht auf die Beziehung einstellen mag. Wenn sie dann auf sich achtet und auch wirklich ihr eigenes „Nein“ hört und zur Sprache bringt, dann gibt es keine Gefährdung. Das ist für mich ein Ammenmärchen. Das gehört noch so zu diesen alten Vorstellungen, die manchmal auch religiöse Hintergründe haben können.

Multi-Gyn:

Gibt es trotz alledem irgendwas was ich beachten sollte? Ist es besser ein Kondom zu verwenden? Oder ist es wirklich egal, wie an jedem andern Tag auch?

Frau Dr. Engelsing:

Hängt davon ab wie stark die Blutung ist. Es ist nicht besser ein Kondom zu verwenden. Wenn mir das angenehmer ist, dann ja. Einziger Grund für ein Kondom wäre, wenn ich mir nicht sicher sein kann, dass mein Partner nicht irgendwelche Erreger überträgt. Dann natürlich wäre es immer besser ein Kondom zu verwenden. Einfach damit ich mich schützen kann.

Multi-Gyn:

Und können die Erreger während der Menstruation leichter aufgenommen werden?

Frau Dr. Engelsing:

Die können leichter aufgenommen werden, denn da ist der Muttermund ja noch etwas weiter geöffnet, damit das Blut in die Scheide fließen kann. Und überhaupt durch das fließende Blut ist auch ein Aufstiegsweg gegeben für Erreger. Das heißt da muss ich schon noch vorsichtiger mit mir sein oder eigentlich genauso vorsichtig, wie ich eigentlich immer mit mir sein sollte.

Multi-Gyn:

Muss ich, wenn ich während der Schwangerschaft Sex haben möchte, etwas beachten? Oder besser gesagt gibt es irgendwelche Verbote? Etwas was ich wirklich nicht machen darf? Z. B. damit das Kind nicht verletzt wird?

Frau Dr. Engelsing:

Das Kind kann nicht verletzt werden. Das liegt in einer wirklich geborgenen Höhle im Fruchtwasser und kann nicht verletzt werden. Aber es ist wichtig zu wissen: Wenn eine Frau vorzeitige Wehen hat oder Frühgeburtsbestrebungen. Oder bei der letzten Schwangerschaft ein Kind zu früh auf die Welt gekommen ist. Dann muss man schon sehr vorsichtig sein. Mit der Sexualität einerseits, sicherlich auch durch die mechanische Erschütterung und auch weil das Sperma Prostaglandine, also bestimmte Hormone enthält, die Wehen auslösen können. Das ist sehr wichtig zu wissen. Also bei diesbezüglichen Problemen das unbedingt mit dem Frauenarzt abstimmen und in der Regel wird dann auch gebeten werden das man darauf verzichtet. Zumindest vorübergehend. Also in dem Fall einer Frühgeburtsgefahr.

Multi-Gyn:

Wenn das Kind dann auf der Welt ist, also nach der Geburt. Wie lange muss ich dann warten, bis ich wieder Sex haben kann?

Frau Dr. Engelsing:

Hängt davon ab wie die Geburt gelaufen ist. Und auch natürlich sowieso, wie es mir damit geht. Wenn es jetzt zu Geburtsverletzungen gekommen ist. Oder ein Dammschnitt stattgefunden hat. Oder irgendwas eingerissen ist was hat genäht werden müssen, dann müsste man das konkret abstimmen. In der Regel wird man etwas warten müssen, um die Wundheilung nicht zu beeinträchtigen.

Multi-Gyn:

Kommen wir zur Selbstbefriedigung Frau Dr. Engelsing. Wie wichtig schätzen Sie als Ärztin die Selbstbefriedigung im Leben einer Frau ein?

Frau Dr. Engelsing:

Auch das ist ganz sicher von Frau zu Frau wieder sehr verschieden. Ich glaube schon das die Selbstbefriedigung wichtig ist. Dass junge Frauen in die Selbstbefriedigung ein erstes Mal ganz vorsichtig für sich schauen, wie sie das erleben. Wie sich das für sie anfühlt. Was für sie schön ist. Was nicht schön ist. Ich glaub das auch Frauen in jedem Lebensalter die Selbstbefriedigung gerne zum Experimentieren nehmen, um einfach auszuprobieren, neue Techniken, irgendwelche Spielzeuge, was auch immer. Und es ist nun mal für viele Frauen leichter, als wenn der Partner dabei ist. Also ich kann mir schon vorstellen, dass es eigentlich für Frauen jeden Alters wichtig ist, aber auch von Frau zu Frau verschieden.

Multi-Gyn:

Kann rein anatomisch gesehen jede Frau einen Orgasmus haben?

Frau Dr. Engelsing:

Ja. Rein anatomisch gesehen kann jede Frau die jetzt nicht schwere medizinische Probleme oder Veränderungen durch Operationen hat einen Orgasmus haben. Eigentlich kann jede Frau immer einen Orgasmus haben und man sagt in der Sexualtherapie so schön: Der eigentliche Orgasmus findet im Kopf statt. Und den kann man sowieso immer haben. Es gibt Frauen die das noch nicht erfahren haben. Und es ist oft schwer herauszufinden warum.

Multi-Gyn:

Was passiert denn während einem Orgasmus im Körper der Frau?

Frau Dr. Engelsing:

Es ist ein intensiviertes Anregen aller oder vieler Körperfunktionen. Die Durchblutung wird nicht nur in den Geschlechtsorganen verstärkt, sondern auch an anderen Stellen des Körpers. Das passiert zunächst mal. Und wenn der Orgasmus dann tatsächlich stattfindet: Also der eigentliche Orgasmus hat sehr viel zu tun mit einem Kontrahieren, also einem Zusammenziehen der Beckenbodenmuskulatur und auch der Gebärmutter.

Multi-Gyn:

Dann kommen wir noch zu unserem letzen Fragenteil. Der Sex nach der Menopause . Was verändert sich da sexuell gesehen für die Frau?

Frau Dr. Engelsing:

Das ist eine sehr individuelle Situation. Es ist von Frau zu Frau verschieden. Viele Frauen erleben zunächst mal das die Lust nicht mehr so ist, wie sie es vorher hatten. Also sagen: „Ich habe keine Lust mehr.“ Im Gespräch stellt sich dann oft heraus das die Lust einfach anders geworden ist und das es das nun zu entdecken gilt. Vielleicht mit dem Partner zu besprechen gilt. Es kann sein, dass der niedrige Östrogenspiegel dazu führt, dass die Befeuchtung der Scheidenschleimhaut nicht mehr so intensiv ist. Und das kann natürlich zu einem Problem werden. Dass die Frauen ein Gefühl von Trockenheit haben oder auch das es einfach so ist, dass das Eindringen des Penis schwieriger wird, schmerzhaft wird. Dass es zu Blutungen, zu Einrissen kommen kann.

Multi-Gyn: Was kann ich speziell gegen diese Trockenheit tun?

Frau Dr. Engelsing:

Ganz viel. Irgendetwas Gutes finden was mir dabei hilft. Ich rate immer erst einmal nicht auf chemische Medikamente zurückzugreifen. Man kann grundsätzlich den niedrigeren Östrogenspiegel örtlich ausgleichen, durch Zäpfchen oder Salben die Östrogene enthalten. Aber viele Frauen wollen das ja „Gott sei Dank“ nicht mehr. Und es gibt so viele ander schöne Wege. Mann kann Öle ausprobieren. Pflanzliche Öle. Also das ist mehr so das dann die ganze Haut insgesamt geschmeidiger wird. Im Sinne von einer Pflege. Als konkretes Gleitmittel, also als wirkliche Hilfe das Intimität und der Intimverkehr wieder leichter wird, empfehle ich sehr gerne das LiquiGel, das auf der Aloe vera beruht und toll hilft. Und auch als angenehm empfunden wird von den Frauen. Und nicht unangenehm riecht und leicht und gut zu nutzen ist.

Multi-Gyn:

Kommen wir zu unserer letzten Frage Frau Dr. Engelsing. Ich habe jetzt schon öfter in Frauenzeitungen gelesen, dass die Sexualität für die Frau ab 40 immer besser wird. Kann man das so pauschal sagen? Stimmt das?

Frau Dr. Engelsing:

Also pauschal kann man das bestimmt nicht sagen, weil es manche Frauen überhaupt nicht so empfinden. Aber ich glaube schon, dass es unterm Strich stimmt. Und zwar einfach weil die Frauen selbstbewusster werden. Nicht in dem Sinne "Ich will jetzt alles nur noch für mich haben." Sondern einfach mehr wissen wer bin ich und was tut mir gut. Was tut mir nicht gut. Und ich glaube auch, dass Frauen ab 40 oft mehr den Mut haben oder ab dieser Lebensphase mehr den Mut haben zu sagen, was sie möchten. Es in einer guten Art und Weise zum Gespräch machen. Was 20-jährige oft noch gar nicht schaffen. Und klar, je mehr ich weiß was ich will und wer ich bin, was ich möchte, umso größer ist die Chance das ich eine für mich befriedigendere und erfüllendere Sexualität erleben kann. Insofern glaub ich schon, dass es stimmt oder stimmen kann.

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