Infovideo "Scheidenpilz"

mit Dr. med. Susanne Maurer

Was genau ist eigentlich ein Scheidenpilz? Welche Risiken gibt es und wie vermeidet bzw. behandelt man einen Scheidenpilz?

 

Dr. med. Susanne Maurer gibt Auskunft:

Hier das Interview in Textform:

Multi-Gyn: Hallo Frau Dr. Maurer, ich grüße Sie. Das Thema Scheidenpilz würde mich interessieren. Ich habe viel davon gehört. Viele meiner Freundinnen haben Scheidenpilz. Ich habe selbst noch keine Erfahrungen damit gemacht, aber mich würde jetzt doch mal interessieren: Was genau ist eigentlich ein Scheidenpilz?

Frau Dr. med. Susanne Maurer:

Der Scheidenpilz gehört zu den Mikroorganismen, die Infektionen verursachen können. Es gibt verschieden Mikroorganismen, z.B. die Bakterien und die Viren, aber eben auch die Pilze. Pilze können wir überall am Körper haben. Beispielsweise an unserer Haut. Pilze leben sehr häufig auch im Darm. Und der Scheidenpilz ist eine Pilzart, die man im Fachausdruck als Candida bezeichnet. Der Scheidenpilz kann sich im Scheidenmilieu eben auch niederlassen, und da eine Infektion hervorrufen.

Multi-Gyn: Das heißt, ich merke, wenn ich einen Scheidenpilz habe, den ich dann auch behandeln lassen muss oder den ich selbst behandeln muss.

Frau Dr.med. Susanne Maurer:

Wenn Sie eine echte Infektion mit einem Scheidenpilz haben, dann leiden Sie unter Juckreiz. Zum Teil wirklich massivem Juckreiz, der Sie plagt und Brennen und eben an diesem typischen krümeligen, weißen Ausfluss.

Aber es gibt eine ganze Reihe von Irritationen in dem Bereich. Es gibt Frauen, die haben immer mal wieder etwas Juckreiz und etwas Brennen in der Scheide. Dabei muss es sich nicht wirklich um einen Scheidenpilz handeln, sondern es kann sich auch lediglich um ein gestörtes Scheidenmilieu handeln.

Multi-Gyn: Ist es denn gefährlich, wenn ich einen Scheidenpilz habe? Wie schnell muss ich mich denn dann entscheiden zum Arzt zu gehen oder nicht zum Arzt zu gehen?

Frau Dr.med. Susanne Maurer:

Gefährlich ist ein Scheidenpilz nicht. Wenn man eine chronische und langandauernde Infektion mit Scheidenpilz hat, dann kann es schon mal dazu führen, dass die Hautoberfläche eben auch kleine Risse bekommt. Und das kleine Wunden entstehen, was dann schon auch die Gefahr birgt, dass sich darauf eine bakterielle Infektion setzt.

Also dass dann quasi Bakterien in diese kleinen Hautspalten eindringen können. Aber das ist allenfalls sehr unangenehm. Es gibt selten Patientinnen, die solange warten, bis sie tatsächlich auch wund sind in dem Bereich. Bis sie zum Arzt gehen. Die meisten Frauen melden sich vorher. Und die meisten Frauen gehen dann zum Frauenarzt, wenn der Juckreiz eben nicht besser wird, sondern wenn sich dieser Juckreiz über die Tage immer weiter verschlechtert.

Multi-Gyn: Was uns Frauen jetzt aber natürlich interessiert ist: Wo kann ich mir den Scheidenpilz eigentlich holen?

Frau Dr.med. Susanne Maurer:

In den meisten Fällen handelt es sich bei einer Scheidenpilzinfektion nicht um eine Infektion, die man sich von außen holt. Wo man praktisch angesteckt wird. Sondern meistens ist es eine Aktivierung einer Pilzinfektion, die man quasi in sich trägt. Also dadurch, dass man mit Pilzen besiedelt ist und Pilze an der Haut hat, kann es dazu kommen.

Wenn eine geschwächte Immunabwehr vorliegt, was z.B. bei Stress der Fall sein kann. Dass eben diese Pilze überhandnehmen und dann letztlich zu einer Infektion führen. Es kann auch sein, dass man sich bei einem Geschlechtspartner ansteckt, das gehört aber eher zu den seltenen Fällen.

Multi-Gyn: Ich habe von vielen gehört, dass sie Angst haben ins Schwimmbad zu gehen, weil sie eben schon einen Pilz hatten oder immer wieder diesen Scheidenpilz haben. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass man sich im Schwimmbad den Pilz holt oder das man dadurch die Besiedlung mit so einem Pilz vergrößert?

Frau Dr.med. Susanne Maurer:

Es gibt Frauen, die darüber berichten, dass wenn sie ins Schwimmbad gehen, dann zu Pilzinfektionen neigen. Oder dann häufiger nach dem Baden oder im Sommer Pilzinfektionen haben. Es ist dabei aber so, dass diese Pilze nicht im Schwimmbad aufgefangen werden, sondern das die Situation im Schwimmbad möglicherweise eine Pilzinfektion bedingt.

Weil man zum Beispiel die Bikinihose nach dem Baden nicht wechselt. Pilze mögen es gerne warm und feucht. Und wenn man eben in feuchter oder nasser Kleidung bleibt, dann finden die Pilze ein Milieu, das ihnen gut gefällt. Und dadurch kann es eben häufiger zu Pilzinfektionen kommen.

Multi-Gyn: Über die Hygiene im Schwimmbad haben wir gesprochen. Was kann ich denn außerhalb des Schwimmbads tun, um eine Erkrankung überhaupt zu vermeiden?

Frau Dr.med. Susanne Maurer:

Ein ganz wichtiger Bestandteil in einem gesunden Scheidenmilieu sind die Milchsäurebakterien, die der Körper selber bildet und die bei manchen Frauen eben nicht in ausreichender Zahl vorliegen.

Und es gibt Medikamente und Präparate auf dem Markt, die z.B. diese Bildung der Milchsäurebakterien und das Bestehen der Milchsäurebakterien unterstützen. Und dies ist eine ganz sinnvolle Maßnahme, um die lokale Abwehr gegen Infektionen, da gehören nicht nur die Pilze dazu, sondern eben auch die Bakterien, zu stärken. Und Frauen die dazu neigen immer wieder Scheidenpilze zu bekommen, die tun gut daran, in dem Bereich eben was zu tun.

Multi-Gyn: Wie lange dauert so eine Anti-Pilz-Therapie?

Frau Dr.med. Susanne Maurer:

Üblicherweise dauert so eine Therapie drei Tage. Und im Anschluss dieser drei Tage sollte was dafür unternommen werden, dass die Scheidenflora eben wieder gestärkt wird. Also da macht es Sinn tatsächlich Mittel zu verwenden, die die Milchsäurebakterien in der Scheide wieder anreichern. Um eben ein starkes Milieu gegen eine rezidivierende, wieder auftretende Infektion zu schaffen.

Multi-Gyn: Was mich noch interessieren würde: Wenn ich weiß, dass ich eine Neigung dazu habe, diese Scheidenpilze zu bekommen, kann ich mit der Ernährung gegensteuern?

Frau Dr. med. Susanne Maurer:

Sie können versuchen mit der Ernährung dagegenzusteuern. Pilze brauchen Zucker. Bei einer sehr zuckerreichen Ernährung haben die Pilze genau das was sie eigentlich brauchen an Vorrat. Und wenn Sie jetzt versuchen Ihren Zuckerkonsum einzuschränken, dann kann es dazu führen, dass Sie weniger häufig an Pilzerkrankungen erkranken. Also auch am Scheidenpilz.

Multi-Gyn: Von vielen Bekannten habe ich gehört, dass sie diesen Scheidenpilz öfter haben. Andere wiederum bekommen ihn gar nicht. Was kann die Ursache dafür sein?

Frau Dr.med. Susanne Maurer:

Da gibt es ganz viele mögliche Ursachen. Also Stress ist z.B. ein wichtiger Grund immer wieder mal Infektionen, eben auch Scheidenpilzinfektionen zu haben. Was es genau ausmacht weiß man im Grunde nicht. Man weiß aber, dass es diese Menschen gibt und man kann ihnen im Grunde einfach empfehlen prophylaktische Maßnahmen zu unternehmen.

Weil man meistens die Ursache nicht fassen kann und nicht herausfinden kann. Diese Patientinnen können aber prophylaktisch, zur Unterstützung des Scheidenmilieus, Maßnahmen unternehmen, die z.B. eben die Laktobazillen anreichern. Oder die den Körper bestärken die eigenen Laktobazillen, die für ein saures Milieu im Bereich der Scheide sorgen, mehr aufzubauen.

Multi-Gyn: Mir hat jetzt gerade gestern eine Freundin erzählt, sie hat ganz häufig mit Scheidenpilz zu tun. Kommt das denn wirklich so häufig vor oder kommen die Frauen mit anderen Erkrankungen, die dem Scheidenpilz ähnlich sind?

Frau Dr.med. Susanne Maurer:

Es kommt nicht so häufig vor, wie die Patientinnen eigentlich denken. Es gibt viele Patientinnen, die in die Sprechstunde kommen, die sagen, sie haben einen Pilz und bei denen dann letztlich keine Pilzinfektion nachgewiesen werden kann.

Es hängt auch sehr an der Sensibilität der entsprechenden Patientinnen. Es gibt Frauen, die sind in dem Bereich sehr sensibel. Die merken kleine Veränderungen in ihrer Scheidenflora sehr stark und reagieren dann auch gleich mit Juckreiz darauf. Und dabei handelt es sich ganz häufig eben nicht um eine Pilzinfektion, sondern einfach um ein Ungleichgewicht.

Multi-Gyn: Muss ich mir denn Sorgen um meinen Partner machen, wenn ich den Scheidenpilz selbst habe? Muss er mitbehandelt werden?

Frau Dr.med. Susanne Maurer:

Früher hat man den Partner immer mitbehandelt. Man hat quasi mit dem Rezept an die Frau auch ein Rezept an den Partner mitgegeben. Das macht man heute nicht mehr, weil man weiß, dass die Ansteckungsgefahr für den Mann einfach deutlich geringer ist.

Und es ist so, dass man heute einer Frau rät, wenn der Mann Juckreiz hat und meistens ist das dann ein Juckreiz an der Spitze des Penis, dann soll er eben auch ein, zwei Tage die gleiche Creme, die Anti-Pilz-Creme, die die Frau verwendet verwenden. Aber in den allermeisten Fällen hat er keine Symptome, und wenn er keine Symptome hat, muss er sich auch nicht behandeln.

Multi-Gyn: Frau Dr. Maurer ich bin um einiges schlauer geworden. Danke das Sie sich Zeit genommen haben.

Frau Dr.med. Susanne Maurer: Sehr gerne.

(Der exakte Wortlauf kann ggf. leicht vom Video abweichen)

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