Infovideo "Scheidenausfluss - Was ist normal?"

Der Ausfluss einer intakten Scheide ist weißlich klar, bis zart hell-gelb und wird deshalb auch „Weißfluss“ genannt. Seine Konsistenz ist wässrig bis dickflüssig und variiert, genau wie auch die Farbe, die Menge und der Geruch von Frau zu Frau. Während des weiblichen Zyklus und bei Erkrankungen im Intimbereich kann sich die Erscheinung des Fluors genitalis verändern.

 

Wir haben dazu die Expertin Prof. Dr. med. Ingrid Gerhard befragt:

Hier finden Sie das Interview zum Thema „Scheidenausfluss“ in Textform:


Multi-Gyn: Liebe Frau Professor Gerhard, Sie haben 30 Jahre lang an der Universitäts-Frauenklinik in Heidelberg geforscht, gelehrt und praktiziert. In diesen Jahrzehnten haben Sie einen großen Erfahrungsschatz ansammeln können. Ich möchte heute mit Ihnen über Scheidenausfluss sprechen, und zwar über den normalen und den krankhaft veränderten Scheidenausfluss. Fangen wir doch einmal ganz grundsätzlich an: Was ist Scheidenausfluss überhaupt und welche Funktion hat er?

Prof. Dr. med. Ingrid Gerhard:

Das ist eigentlich ganz einfach: Die Scheide ist ausgekleidet mit einer Schleimhaut und Schleimhaut heißt: Hier wird Schleim produziert. Das bedeutet, das normale ist, dass aus der Scheide etwas Schleim hinausläuft. Dieser ist normalerweise von klarem Aussehen, stinkt nicht und macht auch keine Beschwerden.

Zusätzlich haben wir bei der Scheide das Problem, dass aus dem Gebärmutterhals, aus dieser Schleimhaut, auch noch Schleim hinauslaufen kann. Und diese beiden Schleime - von Scheide und von Gebärmutterhals - haben einen unterschiedlichen Säuregrad, sodass je nachdem welche Sekretion bzw. welche Schleimhaut gerade vermehrt arbeitet, sich der Ausfluss verändern kann und dann natürlich die unterschiedlichsten Arten von Bakterien beheimaten kann.

Multi-Gyn: Interessant wäre für mich und viele andere Frauen zu wissen, wie häufig man eigentlich Scheidenausfluss hat und welche Menge normal ist.

Prof. Dr. med. Ingrid Gerhard:

Das hängt bei vielen Frauen vom Zyklus ab. Zum Beispiel in der Zyklusmitte hat man häufig sehr viel und sehr klaren Schleim, weil das ein Zeichen dafür ist, dass ganz viel Östrogen die Scheidenschleimhaut aufgebaut und angeregt hat. Und wie Sie ja wissen: Sehr viele Frauen klagen über eine trockene Scheide. In diesem Fall bringt die Schleimhaut nicht mehr viel oder es ist nicht genügend SChleimhaut vorhanden, um Schleim zu produzieren. Und schließlich ein Schleim mäßiger Menge, der sowohl ganz normal sein kann, als auch ein Hinweis auf eine Infektion sein kann.

Multi-Gyn: Gutes Stichwort. Kommen wir zu krankhaft verändertem Scheidenausfluss. Woran merke ich, dass mit meinem Ausfluss irgendetwas nicht in Ordnung ist?

Prof. Dr. med. Ingrid Gerhard:

Die meisten Frauen merken das daran, dass es ihnen wehtut, also dass es zu einer Reizung der äußeren oder inneren Schamlippen kommt. Manche merken auch, dass es riecht, dass es stinkt oder aber, dass sich die Farbe verändert hat, dass er nicht mehr klar oder hell ist, sondern dass er plötzlich klebrig und dickflüssig oder bräunlich wird.

Multi-Gyn: Welche Intimerkrankungen werden denn von verändertem Ausfluss begleitet?

Prof. Dr. med. Ingrid Gerhard:

Natürlich einmal fast alle ansteckbaren Geschlechtskrankheiten, wo der Körper sich natürlich wehrt. Und "sich wehren" heißt dabei immer "Schleim produzieren". Das kann ein Grund sein. Es kann aber auch nur sein, das sich während des Zyklus, durch Geschlechtsverkehr oder Schwimmbadbesuch die Scheidenflora nicht richtig aufgebaut hat und deshalb Bakterien überwiegen, die nun einen schlechten oder unangenehmen Ausfluss verursachen.

Multi-Gyn: Nun bin ich mir nicht ganz sicher, wie ich meine Frage genau stellen soll. Die Scheidentrockenheit, die Sie schon angesprochen hatten, wird häufig thematisiert. Jetzt kann aber auch das Gegenteil der Fall sein: Die Scheide kann sehr feucht sein. Ist das dann immer ein Anzeichen dafür, dass etwas nicht stimmt, weil sehr viel Ausfluss produziert wird oder kann das auch ganz normal sein, dass eine Frau relativ viel Ausfluss hat?

Prof. Dr. med. Ingrid Gerhard:

Einmal kann das natürlich mti dem Zyklus zusammenhängen, also dass sie in Zyklusmitte ist oder einen starken Östrogenüberschuss hat, sodass sehr viel Schleim produziert wird. Aber wie gesagt, der macht normalerweise nicht krank. Das ist vielleicht unangenehm, dass der Schlüpfer ein bisschen nass ist, aber mehr ist das auch nicht.

Es kann aber auch sehr viel sein und gleichzeitig stinken als Zeichen für eine Infektion. Da muss die Frau dann einfach unterscheiden: Sieht das unauffällig aus? Sieht es normal aus? Dann ist es nichts. - Oder aber hängt es doch mit einer Infektion zusammen, sodass sie unbedingt zum Frauenarzt gehen muss.

Multi-Gyn: Kommen wir zur letzten Frage, Frau Prof. Gerhard: Wenn ich zyklisch bedingt sehr starken Ausfluss habe und mich das stört, also es mir unangem ist. Was würden Sie Frauen empfehlen, wie würden Sie damit umgehen? Da gibt es immer die Diskussion, Slipeinlage, ja oder nein?

Prof. Dr. med. Ingrid Gerhard:

Ich habe vielleicht vergessen, noch dazu zu sagen, was auch eine häufige Ursache von einer zu hohen Schleimproduktion sein kann, das ist auch die Psyche und der Stress. Manche Frauen haben unter Stressbelastung auch vermehrt Ausfluss, sodass ein Tipp schon wäre: Runterkommen! Nicht so viel Stress haben! Entspannungsübungen machen!

Wenn jetzt aber wirklich viel Ausfluss vorkommt und Frauen etwas dagegen tun wollen, ist eine Slipeinlage sicher möglich. Jedoch muss man hier aufapassen, dass diese nicht parfümiert ist oder dass dadurch Reizerscheinungen auftreten. Was auch ganz schlecht ist, meine ich, wenn Sie Tampons prophylaktisch gegen den starken Ausfluss einführen, weil dadurch die Scheide wirklich austrocknet und ein Reiz entsteht.

Multi-Gyn: Vielen Dank für das Gespräch.

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