Infovideo "bakterielle Vaginose"

mit Prof. Dr. med Werner Mendling

Möchten Sie wissen was Auerhähne im Bayerischen Wald mit Ihrer Scheidengesundheit zu tun haben und wie Sie die verbreitete "bakterielle Vaginose" vermeiden können?

Prof. Mendling gibt Auskunft...

Hier finden Sie das Interview „bakterielle Vaginose“ in Textform:

 

Multi-Gyn: Viele Frauen haben Probleme im Intimbereich. Jetzt habe ich in diesem Zusammenhang schon relativ häufig von der sogenannten „bakteriellen Vaginose“ gehört. Was genau ist den eigentlich die bakterielle Vaginose?

Prof. Mendling:

Die bakterielle Vaginose ist eine Störung der Scheidenflora.

Sie ist nach der Definition keine Infektion wie wir, wenn wir z.B. eine Mandelentzündung haben, eine Infektion haben, durch Bakterien mit Gewebeentzündung, sondern die bakterielle Vaginose ist eine Störung des Scheideninhaltes, ohne dass die Scheidenwand selber entzündet ist.

Man hat eine Definition aufgestellt, die wurde erstmalig so 1981 herum formuliert und dann von der WHO und anderen ordentlich anerkannt, sodass das heute Begriffe sind, die man so auch ausdrücken soll. Man hat gesagt, es handelt sich um eine Verminderung der normalen Milchsäurebakterien der Scheide und gleichzeitig dabei um eine Vermehrung der Bakterien, die wie die Milchsäurebakterien in der gesunden Scheide sowieso vorhanden sind, aber jetzt ungewöhnlich stark vermehrt werden. Also eigentlich ist die bakterielle Vaginose eine Dysbalance.

Multi-Gyn: Wie entsteht denn eigentlich die bakterielle Vaginose?

Prof. Mendling:

Das weiß man nicht ganz genau. Man hat Vorstellungen im Laufe der letzten 20/30 Jahre durch Untersuchungen, dass die „guten“ Milchsäurebakterien nicht nur Milchsäure, wo ihr Name herkommt, bilden müssen, sondern auch gleichzeitig H2O2, das ist Wasserstoffperoxid.

Ich sage gelegentlich, dass diese guten Milchsäurebakterien auch krank werden können. Und dann bilden sie zwar Milchsäure aber keinen H2O2. Und wenn sie das tun, dann werden biochemische Gleichgewichte in der Scheide die den pH-Wert, das ist der Säuregrad der Scheide, der normalerweise zwischen 3,8 und 4,4 liegt, angehoben auf etwa 5-5,5.

Und unter diesem veränderten pH-Wert können sich diese Bakterien, von denen ich eben sprach, die da so in kleinen Mengen in der gesunden Scheide vorhanden sind, die können sich dann vermehren, weil sie bessere Umweltbedingungen haben. Und das ist dann das Bild der bakteriellen Vaginose.

Multi-Gyn: Aber von einer Geschlechtskrankheit kann man jetzt eigentlich nicht sprechen oder?

Prof. Mendling:

Wir sagen heute nach modernem Sprachgebrauch sexuell übertragbare Erkrankung und darunter versteht man die, wenn Bakterien in die Scheide geraten der andere Mensch automatisch erkrankt. Das ist bei der bakteriellen Vaginose nicht der Fall. Natürlich werden die Bakterien beim Geschlechtsverkehr immer wieder hin und her übertragen. Aber das heißt nicht, dass der Partner jetzt automatisch auch so etwas bekommt.

Multi-Gyn: Jetzt habe ich schon von verschiedenen Produkten gehört, mit denen man Milchsäure zuführt. In Form von Zäpfchen oder solchen Sachen. Ist das dann sinnvoll? Unterstütz das? Hilft das? Oder was kann ich im Endeffekt wirklich tun, wenn ich eine bakterielle Vaginose habe?

Prof. Mendling:

Was kann Frau tun? Die Frage ist richtig und gut, denn man muss dabei feststellen, dass die Frauen die das immer wieder bekommen sehr verzweifelt sind. Das führt durchaus auch mal zu Partnerproblemen. Ich habe das mal 1994 in einer Diskussion mit dem berühmten Professor Saling, der das Frühgeburtenvermeidungsprogramm entwickelt hat, mit folgendem Vergleich verglichen, der ein bisschen belächelt wurde, aber der das anschaulich macht.

Im Bayerischen Wald gab es sauren Regen, worauf das Unterholz weg war und die Jäger keine Auerhähne mehr sehen und dann natürlich auch nicht mehr schießen konnten. Und dann sind sie nach Finnland gegangen und haben 50 Auerhähne importiert und im Bayerischen Wald laufen lassen. In der Annahme jetzt hätten sie wieder eine gute Flora. Vergleichen Sie das mit dem Reinbringen der Laktobazillen. Und haben sich gewundert, dass nach zwei Jahren alle Auerhähne weg waren. Weil sie nichts mehr zu Fressen fanden.

Und deshalb sollte man auch die Scheidenflora vielleicht erstmal etwas anpäppeln. Die Laktobazillen, die man in Tablettenform eingibt, die müssen da angehen und da bleiben. Und das tun sie nur, wenn die Umweltbedingungen stimmen.

Das ist die theoretische Bedingung dahinter. Und da gibt es eine Reihe von Präparaten sowohl für Laktobazillen als auch für die pH-Wert-Verbesserung auf dem deutschen und sicher auch auf dem europäischen Markt, die in Studien gegenüber Placebo, also einem nicht wirksamen Dummy-Präparat, verglichen worden sind.

Nach einer Behandlung mit Medikamenten und dann das hinterhergegeben oder auch zur Verbesserung der Scheidenflora an sich. Und alle Studien, mit egal welchem Präparat haben zunächst einmal Verbesserungen gegenüber Placebo ergeben. Das heißt, es wirkt immer besser, als wenn man nichts macht.

Der Hauptfehler allerdings im Alltag, den ich beobachte, der so gemacht wird, ist, dass die Patientinnen eine Packung empfohlen bekommen, oder selber kaufen, das sind ja keine rezeptpflichtigen Präparate, die muss man selber kaufen und selber bezahlen, dass diese Präparate einmal gekauft werden, die reichen für zehn Tage und das reicht nicht aus. Mann muss nach meiner Meinung mindestens sechs bis zwölf Wochen, also ein viertel Jahr, das machen damit das überhaupt die Chance hat von selber umzuschlagen.

Multi-Gyn: Also kontinuierlich am besten täglich nehmen?

Prof. Mendling:

Einerseits täglich, allerdings wenn man eine Studentin oder eine Hartz-4-Epfängerin hat, die sich das einfach nicht leisten kann, dann sag ich immer alle 2-3 Tage. Aber dauerhaft.

Multi-Gyn: Wie erkenne ich, dass ich an einer bakteriellen Vaginose leide? Und vor allem was ist der Unterschied zum Scheidenpilz? Meistens denkt man ja zunächst an einen Scheidenpilz, wenn untenrum irgendetwas nicht stimmt. Das ist das gängige Bild.

Prof. Mendling:

Das Leitsymptom der bakteriellen Vaginose ist der unangenehme Geruch. Mann sagt fischiger Geruch. Und der wird besonders verstärkt, wenn der pH-Wert noch höher geht und das ist im Leben einer Frau wenn sie ihre Periode hat. Dann wird der Geruch besonders unangenehm oder wenn Sperma in der Scheide ist.

Sperma hat einen pH-Wert von 7. Die normale Scheide puffert das ab und ist nach ein paar Stunden wieder normal. Aber wenn man eine bakterielle Vaginose hat und es kommt dann dieses andere pH-Material, so nenn ich das jetzt mal, dazu, dann ist der Geruch besonders unangenehm.

Das ist ein Leitsymptom. Man sagt allgemein, da die Scheide ja nicht entzündet ist, es würde weder Jucken noch Brennen. Das stimmt aber nicht. Wenn man viele Befragungen macht, dann hört man, dass etwa die Hälfte der Frauen irgendwelche Irritationen da unten fühlen. Ein Feuchtigkeitsgefühl, Kribbeln, Stechen, Nässen. Dass irgendwas so ein bisschen komisch ist. Darauf kann man sich aber sonst gar nicht verlassen. Und die Pilzerkrankung hat eigentlich als Leitsymptom den meistens in der zweiten Zyklushälfte auftretenden Juckreiz im Scheideneingang.

Aber Frauen mit bakterieller Vaginose klagen auch gelegentlich über Juckreiz. Und schwangere Frauen klagen fast zur Hälfte über Juckreiz, sodass man sich eigentlich umgekehrt nicht darauf verlassen kann, dass Juckreiz Pilz heißt. Nur Pilz heißt meistens Juckreiz.

Multi-Gyn: Ist eine bakterielle Vaginose für eine schwangere Frau gefährlich?

Prof. Mendling:

Gefährlich kann man nicht sagen, aber man hat aus großen Untersuchungen in Deutschland und Amerika und an anderen Stellen, seit ungefähr 20 Jahren gesicherte Ergebnisse darüber, dass das statistische Risiko eine Frühgeburt zu bekommen bei Frauen mit bakterieller Vaginose erhöht ist. Und deshalb soll eine schwangere Frau bei Bekanntwerden der Schwangerschaft, im Idealfall schon kurz vorher, wissen, dass ihre Scheidenflora gut ist.

Multi-Gyn: Unsere Zuschauer wollen an dieser Stelle vermutlich wissen was sie tun können. Und jetzt haben Sie ja schon verschiedene Sachen angesprochen. Es gibt Präparate, die den pH-Wert verändern und es gibt diese Milchsäurepräparate. Was soll ich als betroffene Frau denn jetzt eigentlich machen? Was wirkt besser? Können Sie uns da einen Tipp geben?

Prof. Mendling:

Wenn man zunächst einmal die Milchsäurepräparate nimmt, da gibt es eine Reihe, 6 oder 8 auf dem deutschen Markt, da hat man in den letzten Jahren gelernt, dass erstmal die natürlichsten Milchsäurebakterien, die in der Scheidenflora vorkommen, zur Zeit im Handel gar nicht herstellbar sind.

Es gibt nur eine Reihe von Milchsäurebakterien, die denen nah verwandt sind und da eine gute Wirkung haben. Zu den pH-Wert verbessernden Medikamenten: Da gibt es Milchsäure selbst, in Tablettenform oder in Gelform und so. Und da gibt es auch ich sag mal chemische Stoffe, die als Gel an der Wand der Scheide haften bleiben und nicht so schnell rauslaufen und auch den pH-Wert optimieren. Und man hat sie alle nicht untereinander in randomisierten Studien gegeneinander getestet. Man hat sie immer nur gegen Placebo getestet.

Mir ist nur eine Untersuchung bei diesen pH-Wert verbessernden Präparaten bekannt, die erst vor einem Jahr etwa bekannt geworden ist. Da hat man im Labor, im Reagenzglas sozusagen, die pH-Wert verbessernden Gele und Präparate, vier glaube ich, gegeneinander verglichen in ihrer Wirkung gegen Bakterien und ob sie vielleicht einen schlechten Einfluss auf die Milchsäurebakterien haben.

Und da gab es ein Gel, das ursprünglich aus einem Aloe-Wirkstoff besteht und noch andere Wirkstoffe hat, das sowohl eine pH-Wert-Verbesserung macht als auch gegen die „schlechten“ Bakterien ganz gut wirkt und nebenbei keinerlei Einfluss auf die Laktobazillusflora hat.

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