Infovideo "Ausfluss"

Frau Dr. med. Anja Fiedler beantwortet in diesem Video Fragen zum Thema Ausfluss.

 

Hier das Interview „Ausfluss“ mit Dr. med. Anja Fiedler:

 

Multi-Gyn: Frau Doktor Fiedler, kommen wir zu dem Thema Ausfluss. Die Scheide sondert ja Feuchtigkeit und auch Lubrikat bzw. Schleim, wie auch immer man das nennen möchte, selbstständig ab. Und schützt sich so auch vor Krankheitserregern. Das ist dann eine normale Absonderung, eine normale Funktion. Wann ist der Ausfluss wirklich normal und wie erkenne ich, wann er krankhaft ist? Und was zeigt mir auch, dass wirklich eine ernsthafte Erkrankung dahintersteckt?

 

Dr. med. Anja Fiedler: Wie Sie es schon bemerkt haben, der Ausfluss ist normal. Das ist ein physiologischer Prozess, der der Gesunderhaltung der Scheide dient. Der Ausfluss ist natürlich in den verschiedenen Lebensphasen verschieden. Eine Frau im fortpflanzungsfähigen Alter, wo die Hormone regelmäßig ihre Arbeit verrichten, wird einen anderen und einen stärken Ausfluss haben als eine Frau in der Menopause, wo die Hormonproduktion durch die Eierstöcke nachlässt. Ein Ausfluss ist so lange normal, so lange er eine weißliche oder klare Farbe hat. Und er sollte von der Konsistenz nicht ganz flüssig, aber auch nicht krümelig oder fest sein. Trotzdem wird sich dieser Ausfluss im Laufe des Zyklus‘ verändern, um die Zeit des Eisprungs herum wird er dünnflüssiger und klarer sein. Während er ansonsten eher so leicht weißlich gefärbt sein wird. Wenn ein Ausfluss gelblich, also richtig dunkelgelb

oder grünlich ist, also wenn er sich in der Konsistenz verändert, dass er klumpig wird oder ganz, ganz wässrig, wenn er sich im Geruch verändert, dann ist es immer die Indikation doch ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen und den Arzt aufzusuchen.

 

Multi-Gyn: Weil dann auch wirklich Bakterien und auch der berüchtigte Scheidenpilz dahinterstecken können?

 

Dr. med. Anja Fiedler: Richtig. Dann sollte man das abklären.

 

Multi-Gyn: Können Mädchen und Frauen solchen Problemen auch vorbeugen? Also, dass dann irgendwie Bakterien oder Pilze sich dafür verantwortlich zeigen, dass der Ausfluss sich verändert bzw. Beschwerden auftreten?

 

Dr. med. Anja Fiedler: Ja. Da gibt es Möglichkeiten wie man die Gesundhaltung der Scheide unterstützen kann. Das wäre jetzt zum Beispiel nach Anwendung eines Antibiotikums empfehlenswert. Ein Antibiotikum – und sei es ein Antibiotikum gegen einen Atemwegsinfekt, wenn man eine Bronchitis zum Beispiel hat – kann natürlich auch die Bakterienflora der Scheide verändern. Und dadurch, dass diese Scheidenbakterien dann zerstört werden durch das Antibiotikum, haben zum Beispiel Pilzspuren keinen richtigen Gegenspieler mehr, können sich stark vermehren und es kann zu einer Infektion kommen. Gleichzeitig werden auch die stützenden Milchsäurebakterien der Scheide durch das Antibiotikum mit zerstört. Das wirkt leider nicht selektiv nur auf die nicht so guten Bakterien, sodass da bei Frauen die anfällig sind für Infektionen empfohlen wird zum Beispiel ein Milchsäure Präparat nach einer Antibiotikaeinnahme anzuwenden. Es gibt auch Frauen die nach der Menstruationsblutung, wenn durch das basische Menstruationsblut der pH-Wert etwas erhöht ist, ein Milchsäurepräparat anwenden für zwei, drei Tage präventiv, um den pH-Wert schnell wieder in den sauren Bereich zu bringen, dass es gar nicht erst zu einer Verschiebung des Gleichgewichts kommt. Es gibt dann bioaktive Vaginalgele, die man anwenden kann und die einen sehr schönen Wirkungsmechanismus haben. Diese verhindern im Prinzip, dass dieser Biofilm, mit dem sich Bakterien und Pilze an der Vaginalwand festsetzen können, die dort tätig werden und es dort zu einer Vermehrung der pathogenen Flora kommt, dass diese schon wirken, bevor die Infektion wirklich entsteht.

 

Multi-Gyn: Also gibt es auch hier wieder Möglichkeiten dem vorzubeugen?

 

Dr. med. Anja Fiedler: Das ist wichtig und vor allen Dingen auch sinnvoll, weil gerade der präventive Ansatz der entscheidende ist. Als Ärzte wurden wir in der Vergangenheit immer gefragt, die Infektion natürlich zu behandeln, aber heute geht es darum, die Frauen und Mädchen zu sensibilisieren möglichst die Infektion zu verhindern, weil natürlich das Epithel langfristig durch dauerhafte Infektionen geschädigt wird.

 

Multi-Gyn: Sie hatten zum Thema Menstruation schon einmal gesagt, dass diese sich auch ankündigen kann, die erste. Also die Menarche, durch ersten Ausfluss bzw. Weißfluss bei Mädchen. Bis wann wäre es normal, dass er auftritt? Gibt es eine Zeitspanne oder gibt es einen Zeitpunkt, wo es noch viel zu früh wäre für diesen Weißfluss und steckt dann vielleicht doch was anderes dahinter?

 

Dr. med. Anja Fiedler: Nach Beginn der Thelarche, also nach Beginn der Brustentwicklung - was immer ein Zeichen für den Beginn der hormonellen Veränderung im Körper eines jungen Mädchens ist – setzen sich die hormonellen Veränderungen fort, sodass man sagt dieser Weißfluss kann durchaus ein bis zwei Jahre vor der ersten Regelblutung schon immer wieder präsent sein und auftreten. Bei den meisten jungen Mädchen ist es so, dass es so im halben Jahr davor, bevor das losgeht verstärkt zu diesem Weißfluss kommt. Aber wenn die Brustentwicklung begonnen hat, kann rein theoretisch auch dann schon diese Weißflussbildung beginnen und man sagt so im Durchschnitt, dass die Brustentwicklung der Menarche circa zwei Jahre vorausgeht.

 

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