Intimhygiene und Intimpflege

Intimhygiene und Intimpflege sind sensible und wichtige Themen im Leben der Frau.

 

Gynäkologin Dr. med. Christiane Messerer gibt in diesem Videointerview wichtige und kompetente Auskünfte zu diesem Themenbereich:

 

[Nachfolgend das Interview in Textform:

Multi-Gyn: Liebe Frau Dr. Messerer, das Thema Hygiene ist für Sie als Gynäkologin vermutlich selbstverständlich. Überhaupt ist eine gewisse Hygiene heutzutage selbstverständlich geworden. Auch die Intimhygiene, obwohl man über die in der Regel nicht so offen spricht, weswegen viele gar nicht so genau wissen, was man eigentlich unter Intimhygiene versteht. Was versteht man genau unter dem Begriff der Intimhygiene?

Frau Dr. Messerer: Die Intimhygiene ist eigentlich schon ein relevantes Thema geworden, die Zeitungen sind zum Beispiel voll mit Produkten.

Was ist Intimhygiene? Es ist eigentlich das Wichtigste überhaupt: Vorbeugung, Prävention, Schutz vor vielen, vielen Infektionen. Also für mich eine elementar wichtige Sache, dass man sich vor Pilzinfektionen, vor bakteriellen Infektionen schützen kann.

Multi-Gyn: Und wie sieht eine empfehlenswerte Intimhygiene des weiblichen Intimbereichs Ihrer Meinung nach aus?

Frau Dr. Messerer: Früher war man ja der Meinung Wasser reicht vollkommen. Einmal am Tag, weil die Scheide ja ein unheimlich gutes Repertoire von Bakterien hat. Nur, heutzutage: Stress, Ernährung, Kleidung, z. B. Antibiotikagabe zerstört natürlich vieles an einem normalen Vaginalmilieu, mit der Konsequenz, dass man sehr gerne bakterielle Vaginosen, Pilze, etc. bekommt.

Multi-Gyn: Nun haben Sie angesprochen, dass Wasser eigentlich ausreicht. Jetzt gibt es aber Frauen, die möchten gerne eine Intimwaschlotion verwenden. Was sollte man da bezüglich der Inhaltsstoffe beachten? Was darf in so einer Lotion drin sein? Was ist vielleicht sogar gut, wenn es drinnen ist? Was darf auf keinen Fall drin sein?

Frau Dr. Messerer: Seife ist z.B. zu aggressiv. Duftstoffe zerstören das Vaginalmilieu auch sehr gerne. Waschlappen, die mit Duftstoffen bestückt sind, sind auch nicht immer unbedingt das Beste, wenn man sie immer wieder benützt.

Multi-Gyn: Was für Fehler werden aus Ihrer Erfahrung bei der Intimhygiene immer wieder gemacht?

Frau Dr. Messerer: Zu häufig und zu falsch. Mit den falschen Mitteln. Zu aggressive Sachen. Zu viel Parfüm.

Multi-Gyn: Was halten jetzt Sie als Gynäkologin von der Intimrasur?

Frau Dr. Messerer: Ich glaube heutzutage wir müssen uns alle umstellen. Jede Frau rasiert sich fast. Gerade die Jüngeren. Die Älteren eher nicht so. Und natürlich haben die Haare eine gewisse Schutzfunktion, aber natürlich auch ein gewisses Reservoir von Bekeimung. Die Intimpflege ist sehr wichtig.

Multi-Gyn: Wenn ich mich jetzt rasieren möchte, dann gelten bezüglich der Inhaltstoffe für den Rasierschaum vermutlich wieder die gleichen Dinge.

Frau Dr. Messerer: Richtig. Keine Seifen, keine aggressiven Duftstoffe.

Multi-Gyn: Gibt es eigentlich Intimerkrankungen oder Intimprobleme, die durch die falsche Intimhygiene ausgelöst oder begünstigt werden?

Frau Dr. Messerer: Ja sicher. Die chronische Vulvitis zum Beispiel. Die also richtig Ekzeme bilden kann. Den chronischen Pilz zum Beispiel. Das chronische Scheidenjucken. Trockene, gereizte Schleimhäute, die dann auch zu Abszessen führen können. Also es ist ein reichhaltiges Repertoire da unten.

Multi-Gyn: Was kann ich tun, wenn mein Intimbereich durch die falsche Intimhygiene gereizt ist?

Frau Dr. Messerer: Pflegen, aufbauen.

 

Multi-Gyn: Wie kann ich das machen?

Frau Dr. Messerer: Es ist eigentlich das Beste, den pH-Wert sauer zu halten. Die Scheide hat ja einen pH-Wert um die 4 etwa 3,8-4,4. Und da sollte man sozusagen versuchen, den wieder herzustellen. Seife ist zu alkalisch, kann also das normale saure Milieu der Scheide sehr, sehr stören, bis zu zerstören. Und da gibt es natürlich jede Menge an Produkten, die man nehmen kann, damit man dieses saure Milieu wieder aufbauen kann.

Multi-Gyn: Gibt es eigentlich Situationen, in denen ich besonders auf Intimhygiene achten sollte? Ich denke da jetzt z. B. an nach dem Geschlechtsverkehr, nach dem Sport, nach der Menstruation möglicherweise?

Frau Dr. Messerer: Sport vielleicht nicht so, man schwitzt. Geschlechtsverkehr ja. Also dadurch, dass das Sekret des Mannes sehr alkalisch ist und die Scheide sauer ist, gibt es natürlich jedes Mal oder kann es zu Revolutionen im Vaginalmilieu kommen. Die Frauen beschreiben das als Brennen, Schmerzen, Jucken, Missempfindungen nach dem Geschlechtsverkehr.

Bei der Menstruation sollte man besonders auf Hygiene achten, die Tampons neigen ja dazu, dass sie das normale Vaginalmilieu sehr stören können. Durch Antibiotika oder nach Antibiotikagabe kommt auch gehäuft eine Veränderung des Vaginalmilieus vor. Krebserkrankungen z. B. und das Wichtigste, was für mich jetzt auch ist, ist die Schwangere. Also in der Schwangerschaft ist es absolut notwendig ein saures Milieu zu haben, damit ja nicht eine aufsteigende Infektion zu zum Beispiel vorzeitigen Blasensprüngen führen kann und damit zu Frühgeburten mit katastrophalen Folgen.

Multi-Gyn: Jetzt sind wir schon am Ende angekommen. Letzte Frage: Die Intimhygiene sieht die bei Mädchen, Teenagern und Frauen eigentlich immer gleich aus oder sollte man da je nach Altersgruppe verschiedene Dinge beachten?

Frau Dr. Messerer: Jedes Alter hat seine Tücken sage ich jetzt einfach mal. Die junge Frau ist natürlich anders als die Frau ab 40, bei der sich die Hormone langsam etwas verändern. Die trockene Schleimhaut, die trockene Scheide sich dann mehr in den Vordergrund drängt.

Missempfinden beim Verkehr. Gehäufte Infektionen, Vaginalinfektionen. Juckreiz bis hin zu Stenosen. Das ist also die ältere Frau. Die jüngere Frau natürlich häufig wechselnde Partner und damit auch die Gefahr einer Infektion, die ist natürlich wesentlich höher, jetzt einmal von der Wahrscheinlichkeit bei der jungen Frau. Auch zum Schutz vor Viren, HPV-Viren.

Saures Milieu schützt nicht unbedingt vor der HPV, kann aber auch eine gewisse Barriere bieten, dass man Infektionen etwas abwenden kann. Oder dem Körper die Abwehr erleichtert. Also jedes Alter hat so seine Tücken und ich finde man sollte schon gerade die Scheide sehr, sehr pflegen, weil sie oft eine Eintrittspforte ist für den ganzen Urogenitaltrakt.

Multi-Gyn: Vielen Dank Frau Dr. Messerer.

Frau Dr. Messerer: Ich sage auch vielen Dank für Ihr Kommen und noch einen schönen Tag am Tegernsee.

 

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