Was ist eine Tantramassage?

Bettina Dornics Tantramasseurin Yonitalk Berlin

Beim Stöbern in den schon vorhandenen Artikeln im Blog, fand ich das Thema "Tantra" und begab mich mal auf die Suche nach verwandten Themen. Ich stieß auf die Tantramassage und Studios in denen diese angeboten werden. Viele unterschiedliche Aussagen und Meinungen fand ich im Netz und in Gesprächen mit Freunden. Das machte mich neugierig und ich fragte im "Yonitalk" in Berlin nach der Möglichkeit eines Interviews. Die Zusage kam schnell und der Termin wurde unkompliziert vereinbart. Die Begrüßung durch Bettina Dornics war sehr offen und herzlich und es kam zu einem sehr interessanten und entspannten Gespräch:

 

Guten Tag Bettina,
ich freue mich, dass Du mir heute die Möglichkeit gibst, in die Welt der Tantramassage einzutauchen.


1.Wenn ich mich mit Freunden zum Thema austausche, fallen immer die Schlagwörter: Hinduismus, Erotik, Sex und Orgasmus. Was ist dran, an diesen Assoziationen?


Da die Tantramassage kein geschützter Begriff ist und auch oft missbräuchlich verwendet wird, ist es verwirrend herauszufinden, was eine Tantramassage wirklich ist. Die Tantramassage wurde ursprünglich in den 70er Jahren von Andro Andreas Rothe entwickelt. Sowohl das Tantra, als auch die Tantramassage kommen aus dem Neo-Tantra. Das hat Osho/Bagwhan in Poona entwickelt und zum Tantra körpertherapeutische Elemente hinzugefügt. Das Neo-Tantra hat wesentlich mehr mit Körperlichkeit und Sexualität zu tun, als das traditionelle Tantra, was im Wesentlichen ein rein spiritueller Weg ist.
In einer seriösen Tantramassage geht es darum mit dem eigenen Körper und den Empfindungen stärker in Kontakt zu kommen und Berührung zuzulassen. Die Energie im Körper ins Fließen zu bringen und auszudehnen. Es darf zum Orgasmus kommen, aber er wird nicht erzwungen. Es kann eine ganz stille Reise sein, oder auch eine ekstatische Reise, die den ganzen Körper erfüllt.
Aus dem Hinduismus, dem Sanskrit verwenden wir in der Tantramassage den Begriff der Yoni (Vagina), was übersetzt „Quelle“ heißt und beim Mann den Begriff Lingam (Penis), was übersetzt „Zeichen“ heißt. Diese Begriffe sind frei von medizinischen oder vulgären Assoziationen. Tantra kommt übrigens auch aus dem Sanskrit und heißt „verweben“.


2. Wie, wann und warum bist Du mit der Tantramassage in Berührung gekommen und ist das Dein Beruf?

 

Seit 1996 bin ich Tantramasseurin. Sexualität stand sehr stark im Vordergrund in meinem Leben. Ich habe irgendwann gemerkt, das es in meinen sexuellen Kontakten keine wirkliche Erfüllung gibt, weil die Verbindung zwischen Yoni und Herz gefehlt hat. Auf meinem langjährigen, eigenen Heilungsweg habe ich viel aufgedeckt, gelernt und erforscht. So wurde mein eigener Erkenntnisprozess, der mich sehr ins Fühlen und ins Herz gebracht hat, auch zu meinem Beruf, meiner Berufung. Die wiedererlangte Einheit zwischen Yoni und Herz hat mein Leben komplett verändert. Ich kenne jetzt meine Grenzen und kann ein klares Nein und ein klares Ja sagen. Ich bin selbst bestimmt geworden und bei mir angekommen.
2004 wurde der Berufsverband Tantramassage-Verband e.V. gegründet, in dessen Zentrum eine fundierte Berufsausbildung steht, die von mehreren offiziellen Ausbildern gelehrt wird. Der Abschluss findet in der Prüfung zum zertifizierten Tantra Tantramasseurin/ Tantramasseur TMV® statt, einer geschützten Marke.
Außerdem steht der Verband für die Qualitätssicherung der Tantramassage seiner Mitglieder.

 

3. Wer nutzt Eure Angebote und gibt es viele Hemmschwellen zu überwinden?


Bislang wurde die Tantramassage mehr von Männern genutzt, aber es kommen zunehmend mehr Frauen und Paare. Männern fällt es oft leichter die Schwelle zu überschreiten, da sie weniger mit Scham und Schuld besetzt sind, aber oft auch nicht so sehr in die Tiefe ihrer Gefühle gehen möchten oder können. Bei Frauen ist das Vorgespräch wichtig, damit Vertrauen und Sicherheit entsteht. Dann wird es intensiv in der Massage und oft kommen Tränen der Berührtheit und eine große Dankbarkeit. Voraussetzung dafür ist, das sich die Frau dafür entschieden hat, sich berühren lassen zu möchten und stärker in die Empfindungen zu gehen. Bei schwerwiegenden Traumata, die noch gar nicht ins Bewusstsein geholt wurden, ist die Tantramassage sicherlich nicht der erste Schritt.


4. Kommen auch Frauen zu Euch, die über Schmerzen in der Scheide klagen und bisher keine Ursache dafür kennen?

 
Die Frauen die zu mir kommen, haben meistens eine Ahnung woher Schmerzen oder Gefühllosigkeit in der Yoni kommen. Sie haben sich schon länger mit der Thematik befasst und wollen etwas daran ändern. Alle Themen sind bei mir schon aufgetaucht. Traumatische Geburten, sexueller Missbrauch, Vergewaltigung und vielfach auch Unkenntnis über den eigenen Körper und die eigene Sexualität. Da uns das in der Pubertät niemand beigebracht hat, sind wir aufgefordert das nachzuholen, wenn wir ein erfülltes Leben wollen.
 
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5. Kann eine Tantramassage auch bei Beckenbodenschwäche hilfreich sein?


Es ist ganz wichtig, gerade beim Beckenboden, ihn zu spüren und ganz behutsam vorzugehen. Er kann sowohl zu schwach sein, als auch zu angespannt. Das hängt mit dem ganzen Bewegungsapparat, der Atmung, dem Zwerchfell usw. zusammen. Wie wir laufen, wie beweglich wir auch im Brustkorb und der gesamten Wirbelsäule sind, wirkt sich auch auf den Beckenboden aus. Es hängt alles zusammen. Für die Empfindsamkeit, die Beweglichkeit und die Bewusstheit für das gesamte Nervensystem finde ich die Feldenkrais-Methode optimal. Das meiste Beckenbodentraining  ist oft zu schnell und zu kraftvoll. Ist der Beckenboden zu angespannt und es gibt keine Zeit in den Übungen, hineinzuspüren, kann das kontraproduktiv sein.
 

6. Wenn ich mich mit Fachpersonen aus dem Bereich Frauenheilkunde und Geburtshilfe austausche, fällt häufiger die Anmerkung, dass viele Frauen ihren Körper nicht gut kennen oder wenig Körpergefühl aufweisen. Könnte die Tantramassage hier eine Unterstützung sein?


Die Tantramassage kann eine ganz neuartige Erfahrung sein, den eigenen Körper zu erleben. In unserer Leistungsgesellschaft geht es darum sich zu verlangsamen, innezuhalten, zu atmen um die Gefühle zulassen zu können. Unser Körper ist so genial und hat es verdient, gewertschätzt und liebevoll behandelt zu werden. Es dauert eine Zeit sich von gesellschaftlichen Konditionierungen frei zu machen und sich so zu lieben und anzunehmen, wie wir sind. Und vor allem uns auch die richtige Nahrung zu geben. Das fängt an bei der Aufnahme von Informationen, mit welchen Menschen wir uns umgeben, was wir essen, wie unsere spirituelle Ankopplung ist und wie wir uns berühren lassen.
Oft erlebe ich bei meinen Massagenehmern, das sie völlig davon überrascht sind, wie toll ihr Körper ist und wie er mitmacht, wenn er achtsam und liebevoll berührt wird.


7. Wenn ich mir vorstelle, ich buche online oder telefonisch eine Massage bei Euch und dann stehe ich vor einem Menschen, den ich noch nie gesehen habe und wir sind beide leicht bekleidet oder auch unbekleidet und es geht um Berührungen, da fühle ich mich sehr angespannt. Wie schafft Ihr eine vertraute Atmosphäre?


Deshalb gibt es ja auch die ausführliche Internetseite und es ist möglich sich innerlich auf die Massage vorzubereiten. Die eigenen Grenzen werden gewahrt, sofern sie bewusst sind. Ich habe Frauen schon auf Grenzen hingewiesen, die sie selber gar nicht gefühlt haben und immer drüber hinweg gegangen sind. Ihr Körper, ihre Yoni haben das ganz klar signalisiert. Grenzen sind dann nicht schlimm, wenn wir sie bewusst wahrnehmen und unserem Körper die Zeit geben, sie ganz allmählich aufzulösen. Erstmal geht es darum anzunehmen, anstatt zu leugnen. So kann eine Tantramassage auch zur „Offenbarung“ werden.
Wir fangen in der Massage ja nicht gleich nackt an, sondern das gesamte Massageritual baut sich allmählich auf. Es ist ganz normal das auch Aufregung dabei ist. Fast immer legt sich das nach der ersten halben Stunde.
 

8. Unterliegt Ihr auch einer Art „Schweigepflicht“?


Das versteht sich von selbst. Da wir keine Ärzte oder Priester sind, wo das per Gesetz festgelegt ist, ist es bei uns ein“Ehrenkodex“ die Intimsphäre und den Datenschutz zu wahren.
 
Danke Bettina für das spannende Gespräch!
 
Bin beeindruckt und überrascht, wie unverkrampft unser Gespräch verlief,ich durfte alle Fragen stellen,
erhielt offene Antworten. Im Anschluss an unser Gespräch begebe ich mich auf die Homepage des Tantramassage-Verbands
und finde weitere informative und aufschlussreiche Inhalte.
 
Solltet Ihr Interesse haben, findet Ihr hier weitere Informationen zum Thema:
 
Tantramassagepraxis Yonitalk in Berlin-Mitte

Bettina Dornics und Team
www.tantramassage-berlin.de
 
Berufsverband Tantramassage:
www.tantramassage-verband.de
 
Ich wünsche Euch allzeit gute Intimgesundheit!
 

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