Wiederaufbau der Vaginalflora nach einer Scheidenpilzinfektion oder Antibiotikaeinnahme

Laktobazillen (Milchsäure) für eine gesunde Scheidenflora

 

1. Was sind Laktobazillen bzw. Milchsäurebakterien?

Die Laktobazillen gehören zu der Mikroflora des menschlichen Organismus. Sie werden auch als „Döderleinsche Stäbchen“ oder „Milchsäurebakterien“ bezeichnet. Bei gesunden Menschen finden sich Laktobazillen vorwiegend in der Mundhöhle, im Darm und in der Vagina.

Die komplexe Scheidenflora wird bei gesunden Frauen von Laktobazillen dominiert, die vor unangenehmen Scheideninfektionen schützen. In einem Milliliter Scheidensekret werden 107 - 108 Bakterien gefunden.

 

2. Wie sehen Laktobazillen aus?

Die Laktobazillen zeigen sich im gefärbten und ungefärbten Nativpräparat als unterschiedlich lange, unbewegliche Stäbchen, die innerhalb des Abstrichs eine relativ konstante Länge aufweisen.

Die physiologisch in der Scheide vorhandenen Laktobazillen führen zu Zytolyse, die von einer Vielzahl von Laktobazillen ausgelöst wird.

 

3. Wofür sind Laktobazillen gut?

Laktobazillen produzieren Milchsäure und gedeihen in einem sauren Milieu. In einer intakten Scheidenflora bewirken sie mittels Laktatbildung gemeinsam mit anderen säurebildenden Mikroorganismen einen niedrigen pH-Wert von 3,8 - 4,5. Dadurch erschweren sie die Vermehrung schädlicher Bakterien und schützen die Scheide von pathogenen Keimen.

 

4. Störung der Vaginalflora: Bakterielle Vaginose

Als häufigste Störung der Vaginalflora gilt die bakterielle Vaginose. Die Bakterielle Vaginose stellt ein Ungleichgewicht zwischen den wertvollen „guten“ Milchsäurebakterien (= Laktobazillen) und krankmachenden Bakterien in der Scheidenflora dar.

4.1. Gardnerella vaginalis

Gardnerella vaginalis ist ein anaerobes, unbewegliches Bakterium und ist in hoher Keimzahl Hauptauslöser der bakteriellen Vaginose. Besonders während der Schwangerschaft und bei der Geburt ist die bakterielle Vaginose sehr gefährlich und kann zur Erhöhung der Häufigkeit von frühen Frühgeburten sowie zu infektiösen Komplikationen im Wochenbett führen.

4.2. Ursachen für bakterielle Vaginose

Eine Reihe von unterschiedlichen Faktoren kann eine bakterielle Vaginose mitverursachen oder fördern.

Falsche bzw. übertriebene oder mangelhafte Intimhygiene (Waschlotionen mit Deos, Seifen, Parfüm etc.), Therapien mit Antibiotika, hormonelle Schwankungen oder Östrogenmangel können die lokale Abwehr der Scheidenepithelwand gegen Bakterien und Pilze schwächen und eine Kolpitis auslösen. Daraus resultiert eine dünne und glykogenarme Scheidenschleimhaut, was zur Verminderung der Laktobazillenanzahl und zur pH-Wert-Erhöhung (5,0 - 7,0) in der Scheide führt.

4.3. Symptome bei bakterieller Vaginose

Die Symptome der bakteriellen Kolpitis sind vielfältig. Typische Beschwerden sind z.B. übel riechender Fisch-Geruch, Juckreiz, Brennen und Schmerzen im Genitalbereich (besonders beim Geschlechtsverkehr), eine veränderte Menge, veränderter Geruch oder Farbe des Scheidenausflusses, eine rote, fleckförmige Verfärbung der Vaginalwand sowie Schwellung der Vulva. Weitere Beschwerden sind z.B. Scheidentrockenheit beim Sex und eine erhöhte Empfindlichkeit der Scheide, zusammen mit Brennen, Dyspareunie und vermehrtem Ausfluss.

Die Symptome bei gestörter Scheidenflora beeinflussen stark das allgemeine  Wohlbefinden und führen nicht selten zu übertriebener Intimpflege, die die Beschwerden aber meist noch verschlimmert.

 

5. Wirkung der Laktobazillen auf die Scheidenflora

Die Wirkung von Laktobazillen auf das Scheidenmilieu ist sowohl vom Vaginalepithel als auch von der Stammspezifität der in der Scheide dominierenden Laktobazillen abhängig.

Probiotika sorgen für den Wiederaufbau und die Erhaltung einer ausgeglichenen Vaginalflora.Vaginale und orale Laktobazillenpräparate werden auch präventiv zur Vermeidung einer Vaginalinfektion eingesetzt.
 
 

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Quellen:
Gerd Neumann, Axel Schäfer (2012): Mikroskopische Diagnostik in der Frauenarztpraxis.
Die komplexe Scheidenflora wird bei gesunden Frauen von Laktobazillen - Bild © logos2012 - Fotolia.com

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