Freie Menstruation - Einfach mal laufen lassen..


Nancy: Hallo Jennifer, im Rahmen meiner Recherchen zum Thema „Freies Menstruieren“ bin ich auf Deinen Blog und auf Deine Website gestoßen. Deine Themen fand ich sofort interessant und ich frage mich, wie Du auf die Idee gekommen bist, online diese Themen zu veröffentlichen?


Jennifer: Ich habe bemerkt, dass ich lange nicht in meinem Körper war, Sex war ok, aber nicht das Tollste auf der Welt, wie andere es berichteten. Mir fiel dann auf, als ich mich mehr mit mir beschäftigte, dass ich sehr weit entfernt von meinem Körper war. Dann bin ich recht schnell meiner eigenen Sexualität nähergekommen, habe Bücher gelesen, habe ein Spektrum gesehen, was alles noch möglich ist. Ich bemerkte, dass diese Informationen mit meiner inneren Stimme übereinstimmten und es war schon immer da. Da ich sicher nicht die Einzige mit diesem Empfinden bin, möchte ich daher gern diese Themen und Informationen an andere weitergeben.


Nancy: Sind Deiner Erfahrung nach die meisten Frauen zu weit entfernt von ihrem Körpergefühl?


Jennifer: Das ist schwer einzuschätzen, denn es entwickelt sich in dem Bereich aktuell sehr viel. Es ist sehr individuell, jeder hat seine eigene Geschichte und Herkunft. Wenn ich von meinen Lesern ausgehe, dann könnte es eventuell die Hälfte der Leser betreffen, die sich nicht wohl in ihrem Körper fühlen, die andere Hälfte ist schon im Einklang mit sich selbst. Die Wege sind individuell und auch die Prozesse.


Nancy: Wenn Deine Leser Dich kontaktieren, dann beschäftigen sie sich ja sicher schon mit diesen Themen, denn ansonsten würden sie Dich im Internet nicht finden, oder?


Jennifer: Es ist manchmal sehr amüsant, wenn die Leser behaupten, sie haben mich durch Zufall (manchmal wird Zufall in Anführungszeichen gesetzt) bei Youtube gesehen oder im Internet gefunden. Klar, wenn sie sich dann per Mail an mich wenden, dann beschäftigen sie sich schon mit den Themen.


Nancy: Glaubst Du, dass wir Frauen kulturell bedingt auf der Suche nach einem Umgang mit unserem Körper sind und dass wir etwas gehemmter sind, sodass hier noch Aufklärungsarbeit geleistet werden muss?


Jennifer: Ich glaube schon! Wenn wir uns überlegen, wie wir aufgewachsen sind, wie der Umgang mit dem Körper in den Familien gelebt wird, auch von den Großeltern... Da ist oft noch sehr viel Scham. Wenn ich an meine Oma denke, die beim Windelwechsel dem Baby auf die Finger haut - mit der Bemerkung: „Das macht man nicht!“ -, wenn es mit den Fingern die eigenen Genitalien berührt und daran spielt. Das steckt dann im System. Diese Scham zu verstehen, mit ihr umzugehen, zu begreifen, das ist mein Körper und er gehört zu mir, das braucht dann Zeit. Es gibt Nationalitäten, Volksstämme oder Kulturen, in denen ist der Umgang oft freizügiger und weniger gehemmt. Ich denke schon, dass die kulturellen Einflüsse eine Rolle spielen.

 

Nancy: Wenn ich Deine Beiträge lese, denke ich oft: wie mutig! Aber gleichzeitig bemerke ich auch, dass Du mit Deinen Worten die Leserinnen auf ihren Körper lenkst. Wie empfinden Deine Freunde und Deine Familie diese Offenheit?


Jennifer: Ich höre und lese häufiger, dass ich als mutig bezeichnet werde, aber das sehe ich selbst nicht so. Grundsätzlich möchte ich gern die Themen mit anderen teilen. Auch Männer schreiben mir Mails und sind an den Themen interessiert. In meinem Bekannten- und Familienkreis entwickeln sich entsprechende Gespräche und es kommt immer zu einem regen Austausch, sodass ich auch keine Abneigung oder ähnliches bemerke.

 

Nancy: Nun bin ich sehr neugierig auf das Thema „Freies Menstruieren“. Als ich diesen Begriff las, dachte ich an kulturelle Unterschiede, stellte aber sehr schnell fest, dass es um etwas anderes geht. Was genau ist „unfrei“ und was ist „frei“ in Bezug auf die Menstruation?


Jennifer: Jetzt muss ich über den Begriff unfrei mal nachdenken, finde ihn aber gut!
Ich denke unfrei ist das Nutzen von Tampons. Reinstopfen, möglichst wenig Kontakt zum eigentlichen Geschehen, schnell erledigt. Also keinen Bezug zu dem natürlichen monatlichen Vorgang haben zu wollen, das Natürliche nicht anzunehmen.


Nancy: Dann steht es doch im Kontext zu unsauber, oder?


Jennifer: Genau und das ist schade, denn es ist ja ein natürlicher Vorgang der geschlechtsreifen Frau.


Nancy: Ist diese Praxis auch für sehr junge Mädchen geeignet?


Jennifer: Durchaus, es könnte sogar noch leichter zu erlernen sein. Aber dazu müssen sie sich mit ihrer Umwelt auseinandersetzen und sich gegenüber Mitschülern, Freundinnen usw. durchsetzen. Wenn ich zurückdenke, wie cool es damals war, die Pille zu nehmen und wie wichtig es ist, auch cool zu sein, dann sehe ich dies eher als Hürde.

 

Nancy: Wenn ich an meinen Alltag als Krankenschwester in der Klinik denke, wo sehr regelmäßig keine Zeit zur Verfügung stand, die Toilette aufzusuchen, dann stellt sich mir die Frage, wie alltagstauglich ist das „Freie Menstruieren“? Was ist mit Sauna- und Schwimmbadbesuchen?


Jennifer: Ganz klar! Vor allem zu Beginn dieser Praxis, braucht es viel Übung und Konzentration auf den eigenen Körper und das geht nicht in allen Alltagssituationen. Ich selbst habe es da gut, da ich mich entsprechend organisieren kann und freier in meinem Arbeiten bin. Mittlerweile kann ich mir aber auch einen nine to five job in einem Büro vorstellen, da ich dann entsprechend häufig die Toilette aufsuchen würde. Der Weg dahin, also zu erkennen, dass es funktioniert, braucht Zeit.

Abhängig ist das Ganze dann auch von Dauer und Stärke der Blutung. Es gibt aber auch Alternativen, wie spezielle Unterhosen oder Cups, um das Blut aufzufangen. Wichtig ist eben, nichts einzuführen!

Es gibt sogar Frauen, die ihr Menstruationsblut trinken, es in einen Smoothie einrühren, um die verlorene Energie und Kräfte zurückzuführen. Für mich ist das nicht der Weg, aber ich gebe das Menstruationsblut gern der Erde zurück und fühle mich mit ihr verbunden. Einmal habe ich in der freien Natur mein Menstruationsblut entleert und das empfand ich als super toll, fühlte mich eins mit der Erde. Die Sauna nutze ich nicht und ins Schwimmbad kann ich ja auch außerhalb dieser Zeit gehen.

 

Wenn ich nochmals auf die Berufe eingehen darf, fällt mir ein, dass es ein Büromodell gibt, welches auf den weiblichen Zyklus Rücksicht nimmt. Frauen, die sich um den Eisprung herum befinden, gehen raus und netzwerken, die anderen, die in der Phase des Rückzugs sind, bleiben im Büro, führen Telefonate und beantworten Mails. Das finde ich super! Es ist wichtig, den Zyklus wahrzunehmen und zu verstehen, denn dann kann ich Rücksicht nehmen.

In der ersten Phase bist Du eher extrovertierter unterwegs und in der zweiten Phase dann ist der Rückzug dran. Ich denke, dass viele Frauen ein PMS haben, weil sie keine Rücksicht auf ihre Bedürfnisse nehmen oder nehmen können. Ich würde aus diesem Grund nie einen Job ausüben, der mich dahingehend begrenzt und so anstrengend ist.


Nancy: Ja, ich kenne das auch, dass ich mich in der ersten Zyklushälfte sehr energiegeladen fühle und dann in der zweiten Hälfte eher müde und gereizter. Der Beginn der Menstruation ist für mich dann wie eine Befreiung. Wie gehst Du damit um?


Jennifer: Am ersten Tag bemerke ich noch eine Schwere, aber es wird alles wieder besser, ich strahle wieder, die Haut wirkt schöner.


Nancy: Dann bist Du aktuell in der ersten Zyklushälfte?


Jennifer: Ja, heute ist der erste Tag der Periode. Ich bemerke auch, dass ich auf so viele Termine noch gar keine Lust habe. Und Männer und Kinder gehen gar nicht. Frauen untereinander empfinde ich sehr verbindend, aber Männer und Kinder sind anstrengend.


Nancy: Was mir an dieser Praxis gefällt, ist die Körperwahrnehmung, der natürliche Bezug und die Aufklärung zur Menstruation. Tampons sind nie meine erste Wahl gewesen. Glaubst Du, dass das freie Menstruieren auch vaginalen Erkrankungen, also Infektionen vorbeugen kann?


Jennifer: Was viele Frauen haben, ist ein Pilz; so etwas hatte ich auch schon. Ich denke, dass eine Pilzinfektion immer auch eine Grenzüberschreitung darstellt, jemand war in meinem Territorium. Und das freie Menstruieren gibt mir meinen Raum, kann also diese Problematik reduzieren oder vermeiden.


Nancy: Hier muss ich widersprechen! Wir wissen heute, dass die häufigste Beschwerde im weiblichen Intimbereich bakterieller Natur ist. Grundsätzlich hängen bakterielle Infektionen und Pilzinfektionen jedoch nicht keineswegs davon ab, ob jemand Geschlechtsverkehr hatte - im Gegenteil! Die Flora gerät durcheinander, weil ihr natürlicher Schutzmechanismus gestört wird. Das muss nicht unbedingt mit Geschlechtsverkehr oder dem Einführen von Gegenständen wie Tampons, etc. zusammenhängen.


Aber zurück zu deinem Konzept des freien Menstruierens: Wir Frauen könnten so auch für die Umwelt sorgen und Geld sparen. Gibt es ungefähre Errechnungen, welche Summe eine Frau im Jahr für Monatshygiene ausgibt?


Jennifer: Zahlen kenne ich nicht, aber es spart schon viel Müll. Die Cups werden einmalig angeschafft, werden ausgespült und wiederverwendet.


Danke Jennifer für den sehr spannenden Einblick und das interessante, offene Gespräch mit Dir! Ich werde auf alle Fälle Deine Artikel und Beiträge weiterhin verfolgen und auch über den ein oder anderen Satz länger nachdenken.

 

Falls ich Euch neugierig gemacht habe, schaut mal auf Jennifers Blog vorbei!

 

Ich wünsche Euch allzeit beste Intimgesundheit,

 

Eure Nancy.

 

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