Scheidentrockenheit

Ein Gefühl mit Krankheitswert

Scheidentrockenheit

(Ärztliche Informationen von Prof. Dr. Med. Ingrid Gerhard)

Fast jede Frau hat in ihrem Leben schon mal das Gefühl der Scheidentrockenheit erlebt und mehr oder weniger lange und intensiv daran gelitten. Sei es, dass sie „nur“ beim Geschlechtsakt Trockenheit verspürte, die jegliche aufkeimende Lust zum Erliegen brachte. Oder dass sie nach Scheidenentzündungen und entsprechender lokaler Therapie sich „wie ausgetrocknet“ fühlte.

 

Am Beginn meiner Ausbildung zur Frauenärztin wunderte ich mich oft über die Diskrepanz zwischen der Schwere der beklagten Symptomatik und dem objektiven Befund bei der gynäkologischen Untersuchung. So kam es vor, dass eine junge Frau wegen Scheidentrockenheit die Sprechstunde besuchte, ich aber eine völlig normale Scheidenschleimhaut vorfand, ja sogar im Mikroskop die Scheidenflora unauffällig war.

Umgekehrt der Fall, wenn eine siebzigjährige Frau zur Krebsvorsorge kam, die eine ausgeprägte Austrocknung (Atrophie) der Scheide aufwies, aber auf meine Frage, ob sie unter der Trockenheit leide, sagte: „Nein, überhaupt nicht, ich habe zweimal in der Woche mit meinem Lebensgefährten Sex, und der ist besser und schöner als früher mit meinem verstorbenen Mann.“

Für eine Frau ist es aber gleichgültig, ob ihre Scheidentrockenheit vom Arzt als real und krankhaft eingestuft wird oder nicht. Sie möchte Hilfe und zwar so rasch wie möglich, denn jede Beschwerde, die längere Zeit besteht, verselbständigt sich irgendwann, die Gedanken kreisen darum und die Lebensqualität und die Partnerschaft werden belastet.

Ursachenforschung ist hier anzuraten. Eine wichtige Frage ist, ob die Scheidentrockenheit nur beim Geschlechtsverkehr auftritt, oder ständig, auch unabhängig davon, dieses Gefühl besteht.

 

1. Ursachen

a) Hormonstörung: durch einen Östrogenmangel wird die Schleimhaut in der Scheide unzureichend aufgebaut, die Lebensgrundlage für die wichtigen Scheidenbakterien, die Laktobazillen, fehl.

Hormonelle Schwankungen/Störungen treten auf:

  • nach der Geburt und während der Stillzeit
  • unter hormonellen Kontrazeptiva: dadurch dass man den Hormongehalt der Pillen immer weiter reduziert hat, kann es sein, dass für die eine oder andere Frau die Östrogendosis einfach zu niedrig ist, bei anderen ist vielleicht nur das Verhältnis Östrogen zu Gestagen nicht ausgewogen
  • bei jungen Frauen mit Amenorrhö
  • in den Wechseljahren und danach
  • nach Entfernung der Eierstöcke oder vorübergehend nach Sterilisation

b) Medizinische Behandlungen, die entweder die Haut reizen oder die zu einem Hormonmangel führen sind:

  • Strahlen- oder Chemotherapie
  • lokale Scheidenbehandlungen gegen Bakterien oder Pilze mit Antibiotika/Antimykotika
  • manche Antibiotika oder Medikamente

c) Falsche Genitalhygiene: die Haut wird gereizt und ausgetrocknet, es bilden sich Schrunden und Risse:

  • unphysiologische Seifen
  • Intim-Duftsprays
  • parfümierte Slipeinlagen oder Feuchttücher
  • Tampons, die bei zu schwachen Blutungen benutzt oder auch zu lange liegen gelassen werden

d) Stress: so wie manche Menschen bei zu viel Stress Hautausschläge bekommen, bekommen andere Beschwerden im Genitalbereich.

e) Probleme beim Geschlechtsakt: bspw. durch

  • Unlust
  • zu kurzes Vorspiel
  • Zwang zu Sexspielen
  • Kondomunverträglichkeit

 

2. Diagnostik

Aus den obigen Ausführungen geht hervor, dass es zunächst ratsam ist, sich bei der Frauenärztin / dem Frauenarzt untersuchen zu lassen. Sie/Er wird bei der Untersuchung feststellen, ob ein Hormonmangel vorliegt oder ob es Hinweise auf eine Entzündung gibt. Dafür wird etwas Scheidensekret im Mikroskop untersucht, eventuell ein Zellabstrich entnommen oder eine bakterielle Untersuchung veranlasst. Manchmal wird es auch notwendig sein, dass zusätzlich ein Hautarzt die trockene (Schleim)Haut untersucht.

 

3. Behandlung

Hormonstörung: Tritt die Trockenheit unter der Pille auf, so kann man recht einfach auf eine andere Pille umsetzen, die genügend Östrogen oder ein anderes Gestagen enthält.
In den übrigen Fällen kann man die Scheide mit Östrogenen behandeln, man spricht dann von einer topischen Therapie.

Alternativen zur Hormontherapie:

Viele Frauen wünschen keine Hormontherapie. Für die gibt es inzwischen sehr gute Alternativen. Es handelt sich um Produkte, die die Heilkraft von Pflanzenextrakten ausnutzen, die Schleimhaut pflegen, antientzündlich wirken oder die Scheidenflora wiederaufbauen (Multi-Gyn LiquiGel).

 

4. Was Sie zusätzlich tun können

Stress-Reduktion

Fragen Sie sich ehrlich, ob Sie unter zu viel Stress leiden. Lernen Sie Entspannungsmethoden, lernen Sie, Aufgaben zu delegieren. Wenn Sie zu den Frauen gehören, die nicht Nein sagen können, suchen Sie sich psychologische Hilfe, und bauen Sie in Ihr tägliches Leben Übungen ein, die Ihr Selbstvertrauen stärken.

Genitalpflege

Pflegen Sie Ihre Genital- und Scheidenschleimhaut. Zur besonders sanften Intimhygiene eignet sich z.B. Multi-Gyn FemiWash.

Freude am Sex

Wenn Sie beim Geschlechtsakt Probleme mit der trockenen Scheide haben, benutzen Sie von Anfang an ein Gleitmittel, denn sonst wird bereits beim Vorspiel die Haut zu stark gereizt. Sprechen Sie mit Ihrem Partner, wenn Sie das Gefühl haben, dass das Vorspiel nicht lange genug dauert, so dass Ihre Scheide nicht von alleine feucht werden kann. Machen Sie ihn ruhig aufmerksam darauf, was Sie sich wünschen. Drücken Sie sich nicht aus Angst vor der Scheidentrockenheit vor dem Geschlechtsverkehr, sondern gehen Sie das Problem aktiv an. Entweder im Gespräch mit dem Partner, der Freundin oder der Frauenärztin, und seien Sie sicher:

Ihnen kann bei Scheidentrockenheit immer geholfen werden!

 

 

Interessante Links:

http://www.netzwerk-frauengesundheit.com/uber-das-frauen-gesundheitsbuch/

http://www.netzwerk-frauengesundheit.com/hilfe-bei-scheideninfektionen-teil-1-allgemeine-und-spezifische-masnahmen/

http://www.netzwerk-frauengesundheit.com/hilfe-bei-scheideninfektionen-und-trockener-scheide-teil-2-verschiedene-lebensphasen/

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