Infovideo "pH-Wert der Scheide"

Was ist eigentlich der gesunde pH-Wert der Scheide? Welche Schwankungen gibt es und was kann ich für einen gesunden Scheiden-pH-Wert tun?

 

Dr. med. Gabriela Loeff gibt Auskunft:

 

Multi-Gyn: Liebe Grau Dr. Loeff, ich möchte mich heute mit Ihnen über den Scheiden-pH-Wert unterhalten bzw. darüber wie sauer die Scheide ist bzw. sein sollte, um gesund zu bleiben?

Loeff: Der pH-Wert der Scheide ist ein ganz wichtiger Faktor. Man könnte sagen, der wichtigste schlechthin, denn der Säure-pH-Wert oder der pH-Wert in der Scheide hält die Scheide gesund und schützt sie. Eine gesunde Scheide hat einen pH-Wert von ungefähr 4 und dieser pH-Wert ist zyklischen Schwankungen unterworfen, d.h. er kann ein bisschen nach oben oder nach unten schwanken, also zwischen 3,5 - 4,5.

 

Multi-Gyn: Wie entsteht genau dieser pH-Wert in der Scheide?

Loeff: Der pH-Wert wird geregelt durch die Scheide selbst, d.h. im gebärfähigen Alter, in der reproduktiven Phase der Frau ist die Scheide unter dem Einfluss von Östrogen und unter diesem Einfluss wird im Scheidenepithel Glykogen eingebaut, und die sogenannten Döderlein-Stäbchen bilden bei der Abschilferung der Scheide aus diesem Glykogen Milchsäure.

Und diese Milchsäure führt dazu, dass der pH-Wert in der Scheide im gesamten Schleimhautmilieu einen sauren pH-Wert hat. Auf diese Weise können Keime oder Erreger, die auf ganz natürliche Art und Weise im Intimbereich vorhanden sind, abgewehrt und abgetötet werden.

 

Multi-Gyn: Diese Döderlein-Stäbchen nennt man auch, glaube ich, Milchsäurebakterien?

Loeff: Die Döderlein-Stäbchen sind ein Synonym für Milchsäurebakterien.

 

Multi-Gyn: Jetzt ist es so, dass sich manchmal der Scheiden-pH-Wert krankhaft verändert, d.h. manchmal wird ein Intimproblem, eine Intimerkrankung auch durch einen veränderten Scheiden-pH-Wert angezeigt oder von ihm begleitet. Was können das für Intimerkrankungen sein?

Loeff: Der pH-Wert in der Scheide ist leicht zyklischen Schwankungen unterworfen. Es gibt aber auch Phasen, Lebensphasen, in denen man wirklich erkrankt ist oder eine sehr angestrengte und angespannte Phase hat, emotional.

In diesen Phasen passiert sehr leicht, dass der pH-Wert von ganz allein nach oben geht, d.h. das Milieu in der Scheide ändert sich, diese Döderlein-Stäbchen verringern sich und der ansteigende pH-Wert in den  alkalischen Bereich – das geht dann bis 6, 7 oder noch ein bisschen höher – verhindert diese Schutzfunktion, dass Bakterien und Pilze abgetötet werden. D.h. die natürliche Flora, die im Intimbereich zu Hause ist, spezielle Bakterien aus dem Darm, die können der sauren Scheide gar nichts anhaben.

Aber eine Scheide mit erhöhtem pH-Wert ist ungeschützt und diese ganz gewöhnlichen Keime können sich dann vermehren.

Natürlich gibt es auch krankmachende pathogene Erreger, die tatsächlich z.B. durch die Umgebung, Geschlechtsverkehr, durch Kontamination, mit unsauberen Oberflächen, Gegenständen, Handtüchern verbreitet werden, sich dann auch leichter ausbreiten.

Aber diese wirklich pathogenen Keime, die können sich in der Scheide recht gut vermehren, wenn die Scheide gut sauer war. Das sind diese krankmachenden Erreger, die wir kennen. Die anderen aus der Umgebung machen die Scheide nur dann krank, wenn sie nicht genug gesäuert ist, also keine gute Abwehr hat.

 

Multi-Gyn: Ist es dann aus Ihrer Sicht sinnvoll, dass man den Scheiden-pH-Wert selber misst, vielleicht in der Schwangerschaft oder generell?

Loeff: Prinzipiell empfehle ich meinen gesunden Patientinnen nicht den Scheiden-pH-Wert immer zu messen, denn eine Frau, die einen gesunden Rhythmus hat, mit ihrem Zyklus, in der Arbeit oder mit der Familie, ist normalerweise gesund, hat einen gesunden sauren pH-Wert und muss sich nicht immer darauf konzentrieren etwas zu testen, was in Ordnung ist.

Aber in Lebensphasen, wo wir eine andere Behandlung erfahren, vielleicht im Extremfall eine Chemotherapie oder auch während der Schwangerschaft, empfehle ich den Patientinnen gerne, dass sie ihren pH-Wert testen, oder auch Patientinnen, die z.B. immer wieder zu Scheidenentzündungen neigen –  Vielleicht einfach aufgrund übertriebener Hygiene, aber auch weil sie insgesamt ein bisschen angespannte Typen sind – denen empfehle ich auch sehr gerne, öfter mal den pH-Wert zu testen und/oder man lässt sie schon ein bisschen vorsorglich tätig sein.

 

Multi-Gyn: Jetzt hatten Sie meine letzte Frage angesprochen. Gibt es denn Möglichkeiten, den Scheiden-pH-Wert gezielt zu fördern?

Loeff: Ja, es gibt sehr schöne Möglichkeiten und das macht auch wirklich Sinn, denn wenn jemand eine Neigung hat zur pH-Wert-Verschiebungen in der Scheide oder gar zu Infektionen hat oder unter einer Therapie ist, ganz speziell Antibiotika oder Chemotherapie, dann wär es sehr ratsam, den pH-Wert in der Scheide zu stützen und pH-Wert fördernde Substanzen in die Scheide einzubringen, regelmäßig oder wenigstens zwei bis drei Mal pro Woche. So kann der pH-Wert stabilisiert werden und die Scheide behält ihre gesunde Abwehr.

 

Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für das Interview genommen haben!

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